… ist immer was los? Welchen Ruf das Saalfeldner Nachtleben unter Jugendlichen genießt, wo Nachholbedarf besteht und wie störend die Sperrstunde ist, haben wir uns von einigen Nachtschwärmern erklären lassen.
Wenn man junge Saalfeldner mit der Frage konfrontiert, ob ihnen das Ausgehen in unserer Stadt gefällt, bekommt man zunächst nur einen nachdenklichen Gesichtsausdruck präsentiert. Lässt man aber nicht locker, nimmt sich einer ein Herz und beginnt mit: „na eh …“. Sie werden es nicht glauben, aber „na eh“ fasst es hervorragend zusammen. Denn wenn es um das Nachtleben bei uns geht, dann sind die Meinungen genau so gemischt, wie mancher Cocktail zur Happy Hour. Fast zeitgleich hört man von verschiedenen Enden des Tisches „mir gefällt‘s“ und „furchtbar“. Was ist nun gut am Ausgehen in Saalfelden und was weniger „berauschend“? Oft genannt ist der frische Wind, den die Neueröffnung der SEGABAR in der Mittergasse mit sich bringt – „endlich mal was Neues“. Viele fänden es nämlich schade, wenn in diesen Räumlichkeiten nicht weiter gefeiert werden könnte, wobei Freigetränke zur Eröffnung für Vorschusslorbeeren gesorgt haben dürften. Etwas, das jungen Leuten an den Lokalen gefällt, ist die persönliche Note, wenn man so will. Viele sind mit den Betreibern per du und freuen sich, einige Neuigkeiten austauschen zu können. In dieser Hinsicht wird den Menschen auf der anderen Seite der Bar ein gutes Zeugnis ausgestellt, besonders wenn es um Musikwünsche geht: „Der weiß schon genau, was mir gefällt und spielt es dann auch!“
Immer das Gleiche …
… denken sich einige Mitglieder des Partyvolkes. „Immer die gleichen Bars, immer die gleichen Leute! Da ist man froh, wenn man auch mal woanders hin kann.“ Sie sehen schon, was dem einen gefällt, kann dem anderen zuwider sein. Aber warum glaubt die Jugend, dass man in Saalfelden immer die gleichen Leute trifft? Etwas in dieser Diskussion hat mich hellhörig gemacht. „In Maria Alm oder in Zell sind viele Touristen, da ist mehr los als bei uns.“ Viele zieht es aus diesem Grund in die Nachbarorte, besonders in der Wintersaison, um neue Bekanntschaften zu schließen und Menschen aus allen Teilen Europas kennen zu lernen. Viele glauben auch, dieser Nachteil lässt sich nicht mehr aufholen, da Saalfelden einfach kein klassischer Wintersportort ist und Après Ski völlig an uns vorbeiläuft.
Heiß diskutiert ist auch die Sperrstunde um 4 Uhr in der Früh. Einige finden es gut, andere haben um diese Zeit noch zu viel Sitzfleisch, um den Heimweg anzutreten. „Nach 4 kommt nix G‘scheites mehr raus, da wird höchstens gestenkert.“ Andere sehen genau diese Sperrstunde für Reibereien verantwortlich. „Wenn alle auf einmal rausgeschmissen werden, dann stehen alle gleichzeitig beim Taxi“ – und so ein Taxi kann ganz schön rar sein, wenn man in der Kälte steht. Bilden Sie sich selbst eine Meinung, wir haben im Gespräch jedenfalls festgestellt, dass man bis 4 eigentlich alles schafft, was man sich für einen Abend vornehmen kann – meistens jedenfalls.
Gesittet …
… soll es nicht nur in den Lokalen ablaufen. Auf die Frage nach der Disziplin der jungen Lokalbesucher bekommt man die Antwort der berühmten schwarzen Schafe. „Es sind immer welche dabei, die Wirbel machen oder andere anmotzen.“ Hier wünschen sich meine Gesprächspartner mehr Präsenz der Polizei. Fast alle sind unzufrieden mit dem Auftreten der Exekutive im nächtlichen Saalfelden, die laut den Erfahrungen der Jugendlichen oftmals viel zu spät oder gar nicht einschreitet, wenn es zu Handgreiflichkeiten kommt. „Wenn‘s um die Lautstärke der Musik geht sind sie schneller da, als wenn sich jemand schlägert!“ Lautstärke und Anrainer sind auch ein Thema, das kein Gemüt kalt lässt. Einhellige Meinung: Wenn ich in der Stadt wohne, muss ich mich damit abfinden, dass am Wochenende dort mehr los ist als am Waldrand im Grünen.
Abschließend wollte ich noch wissen, was man denn in Saalfelden anders machen müsste, wenn die Jugend selbst entscheiden dürfte. Auch hier gibt es durchaus gegensätzliche Meinungen. Einige wünschen sich mehr Action, d.h. ein Tanzlokal oder eine Disco (die auch länger offen hat als bis 4). Andere hätten gerne ein gemütliches Lokal mit Sitzgelegenheiten, wo man sich unterhalten kann und Musikwünsche stets berücksichtigt werden.
Da wir nicht glauben, dass in absehbarer Zeit der samstägliche Familien-Spiele-Abend ein Revival erfährt, können die Lokale in Saalfelden wohl auch in Zukunft mit dem einen oder anderen Nachtschwärmer rechnen.




