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Die Kunst auf der Haut

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Die Tätowierkunst ist nahezu so alt wie die Menschheit. Ihre Geschichte reicht dabei von ritueller und religiöser Bedeutung über die Brandmarkung von Kriminellen bis hin zum politischen Statement. Heute sind Tätowierungen vor allem als Körperschmuck in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Marvin Eder (li) und Stefan Ben Hassen vom Tattoo und Piercing Studio “Die Pekkerei”.

Marvin Eder (li) und Stefan Ben Hassen vom Tattoo und Piercing Studio “Die Pekkerei”.

Vor noch nicht allzu langer Zeit haftete Tätowierungen der Ruch des Kriminellen an: „Häfenbrüder“, Seemänner und gesellschaftliche Außenseiter waren es vor allem, die mit den Bildern auf ihrer Haut meistens ihre eindeutige soziale Zugehörigkeit zum Ausdruck brachten. Doch was bis vor 30 Jahren nur einer Minderheit vorbehalten war, ist mittlerweile zu einem Massenphänomen geworden, das von der totalen Kommerzialisierung und Massentauglichkeit bis hin zur absoluten Kunstform reicht. In den 80ern erreichte die Tätowierkunst erstmals wieder eine Hochblüte in diversen Subkulturen, wie etwa in der Rock- und Metalszene: Motive wie Totenschädel, Dämonen und anders Höllengetier gehörten damals auf die Haut des Rockers wie der Strom zur Gitarre. Als George Clooney 1996 im Film „From Dusk ’til Dawn“ ein so genanntes „Tribal-Tattoo“ trug, löste das einen wahren Tätowier-Boom aus. Und jeder kann sich noch an jene Zeit erinnern, als das sogenannte „A….geweih“ – eine Tätowierung über dem Allerwertesten – zu einem „Must Have“ bei allen Damen zwischen 16 und 30 wurde. Einst gesellschaftlichen Außenseitern vorbehalten, wurden Tätowierungen plötzlich zur Massenware, die sich selbst die Bürgerkinder mal eben im Vorbeigehen wie ein Stückchen Modeschmuck von der Stange zulegten. Mit einem gravierenden Unterschied: Schmuck lässt sich ablegen, ein Tattoo nur sehr schwer. „Es sind vor allem Menschen, die sich in sehr jungen Jahren diese Modemotive haben machen lassen haben, die heute zu mir kommen“, sagt Dr. Weiss aus Salzburg, die Tätowierungen mittels Laser entfernt. „Dass das Tätowieren mittlerweile gesellschaftsfähig geworden ist, zeigt der Umstand, dass sowohl viele Tätowierer als auch Tattooentferner sehr gut davon leben können.“ Interessanter Weise sind es meist Menschen um die dreißig, die heiraten oder Eltern werden, also in einen ganz neuen Lebensabschnitt gehen und sich ihre Tätowierung dann entfernen lassen wollen. „Bei Farben wie schwarz oder blau geht das mit dem Laser auch sehr gut, aber bei Farben wie weiß, gelb oder bei Neonfarben ist das sehr schwierig!“

Die Saalfeldnerin Christine Zimmer hat sich mit der Agentur „Tattoomodels“ selbständig gemacht und damit eine sehr erfolgreiche Plattform zur Selbstvermarktung von Models mit Tätowierungen gegründet. Ausschließlich tätowierte Models können sich bei ihr professionell ablichten lassen und werden in einen Modelkatalog aufgenommen. Wer bucht tätowierte Models, möchte man meinen? „Firmen wie Moskova, DC oder Kastner & Öhler buchen sie ebenso wie etwa Audi zur Präsentation eines neuen Autos. Hieß es früher ’sex sells’, so suchen sich mittlerweile viele Unternehmen einen anderen Hingucker, gerade im jugendlichen Segment.“ In der Kommerzialisierung der Tattooszene sieht sie aber auch ein Problem: „Tätowierer wachsen wie Schwammerl aus dem Boden, und nur wenige sind auch wirklich gut.“ Zu einem guten Tätowierer gehört für Christine Zimmer auch, einmal zu einem Motiv nein zu sagen oder junge Menschen, die einem Modetrend aufspringen, zu raten, noch einmal darüber nachzudenken. Auch Stefan Ben Hassen, Tätowierer in der Pekkerei in Saalfelden, ist dieser Ansicht: „Wenn Jugendliche zu uns kommen, und eigentlich gar nicht wirklich wissen, was sie wollen, ist das oft ein Zeichen dafür, dass sie nur irgendwo dazugehören wollen. Unter diesen Umständen raten wir auch von einer Tätowierung ab. Wir tätowieren bei jungen Leuten außerdem grundsätzlich nicht an Stellen, die man nicht verdecken kann, wie etwa am Hals oder auf den Händen.“ Marvin Eder hat das Tattoo- und Piercingstudio vor zwei Jahren eröffnet, Termin für eine Tätowierung bekommt man bei ihm bis April keinen mehr. „Nur den Samstag halten wie uns für kleinere Tätowierungen, die nicht lange dauern, frei.“ Wie wird man eigentlich Tätowierer? Die Ausbildung zum Tätowierer ist wie eine Art Lehre. Man verbringt zwei bis drei Jahre in einem guten Tätowierstudio, übt sehr viel mit der Tätowiermaschine auf Obst wie etwa auf Melonen oder auch auf Schweinehaut. „Es vergeht sehr viel Zeit bis man dann wirklich selbst tätowiert, und das ist auch gut so“, erzählt Stefan.

Auch die Tätowierkunst ist Trends unterworfen. Im urbanen Bereich ist der sogenannte Old School Stil mit den klassischen Motiven wie dem Totenkopf, der Rose oder dem Paradiesvogel eher out und es setzt sich immer mehr der New School Stil durch. Dieser zeichnet sich einerseits durch großflächige Tätowierungen in sehr realistischem Stil oder aber auch durch sehr abstrakte und experimentelle Motive aus, die tatsächlich wie moderne Kunstwerke anmuten – nur eben nicht auf Leinwand, sondern auf der Haut. Die Gründe für eine Motivwahl sind dabei sehr individuell. Nach wie vor zeigen Menschen mit Tätowierungen die Zugehörigkeit zu einer Szene, wie etwa die Rockabillies, die sich einen Hot Rod, ein Paar Schwalben oder etwa Kartenspiele und Würfel tätowieren lassen. Manche sind einfach Mitläufer und tätowieren sich diverse Modemotive weil es gerade hipp ist. Und sehr viele Menschen betrachten Ihren Körper einfach als Kunstwerk. „Es kommt auch häufig vor, dass Leute sich Motive tätowieren lassen, die sie mit einem einschneidenden Ereignis in ihrem Leben verbinden“, so der Tätowierer Ben Hassen.

Tätowierungen findet man mittlerweile in allen sozialen Schichten und Altersklassen. „Es kommen auch Leute zu uns ins Studio, die sich mit 50 noch einen Rasenmäher auf die sich ausbreitende Glatze tätowieren lassen. Und erst kürzlich war eine Frau hier, die sich die Namen ihrer Enkel auf die Hände tätowieren ließ“, erinnert sich Marvin aus der Pekkerei. Christine Zimmer hat sogar schon einmal die Erfahrung gemacht, dass ein Polizist ihr bei einer Verkehrskontrolle seine Tätowierungen gezeigt hat. Aus welchen Gründen und mit welchen Motiven sich viele Menschen aller Altersgruppen auch immer tätowieren lassen, zeigt dies vor allem eines: Tätowierungen sind in unserer Gesellschaft mittlerweile fast so etwas wie Normalität geworden.

Weitere Infos im Web:

www.tattoomodels.at
Die Homepage der im Beitrag erwähnten „Tatttoomodels“ der Saalfeldenerin Christine Zimmer

http://www.zeit.de/lebensart/mode/2011-05/fs-tattoo/seite-1
Eine wirklich tolle Fotostrecke zur jungen Tätowierkunst im experimentellen Stil mit abstrakten Motiven, die z.T. wie Kinderzeichnungen anmuten, hat „Die Zeit“ veröffentlicht.

http://www.tattoo-spirit.de
Hier findet man unter anderem auch ein Lexikon zu den zahlreichen Motiven und Stilen in der Tätowierkunst sowie zu deren Geschichte.

http://www.kpic.at/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=2&Itemid=7
Der Fotograf Klaus Pichler die Tätowierungen von Ex-Häftlingen fotografiert und deren Geschichten dahinter aufgeschrieben. Eine sehr beeindruckende Dokumentation!!!

http://www.pekkerei.at
Die Homepage des Saalfeldener Tätowierstudios „Die Pekkerei“.

Fotos: Mario Steidl, Philipp Tomsich/Thorsten Urschler/tattoomodels.at

Das Weihnachten von früher

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Früher war sicher nicht alles besser. Auch nicht zu Weihnachten. Oder doch? In der vergangenen Redaktionssitzung fragten wir uns, wie sich Weihnachten wohl vor 50, 60 oder noch mehr Jahren abgespielt hat.

Walter Steidl ist 1926 geboren und in einer Arbeiterfamilie in Bsuch aufgewachsen.

Walter Steidl (85)

Walter Steidl (85)

Wie haben Sie die Vorweihnachtszeit früher im Vergleich zu heute erlebt?

Ich kann mich erinnern, dass wir als Kinder vor Weihnachten besonders brav sein mussten, damit das Christkind auch etwas bringt. Wir haben ja dem Christkind auch immer ein Brieferl geschrieben und auf die Fensterbank gelegt.

Was war das Besondere für Sie an Weihnachten?

Es war einfach eine schöne ruhige Zeit, es wurden Kekse und Kletzenbrot gebacken, allein deshalb schon war Weinachten so besonders, genauso wie das Bachlkoch am Weihnachtstag. Würstlsuppe kannten wir erst nach dem Krieg, und Fleisch gab es überhaupt nicht. Erst später haben wir dann selbst ein Schwein ein Jahr lang gefüttert und dann zu Winterbeginn geschlachtet. Und natürlich die Süßigkeiten am Weihnachtsbaum, die Zuckerl und die Zuckerringe.

Welche Rolle spielte der Glaube früher zu Weihnachten?

Bei uns eigentlich gar keine, das war eher bei den Bauern so. Ich bin halt Ministrant geworden, weil mich der Pfarrer gefragt hat und ich mich nicht nein sagen traute. So musste ich in der Weihnachtszeit jeden zweiten Tag um 6 Uhr früh zu Fuß von Bsuch nach Gerling gehen, egal bei welchem Wetter. Und das war manchmal sehr kalt und anstrengend, wenn es viel Schnee hatte.

Anni Dietrich wurde 1930 als Tochter eines Wildbachverbauers geboren und ist im Haus des ehemals sogenannten „Schörhofschmiedes“, gegenüber dem Gasthof Schörhof, aufgewachsen.

Anni Dietrich (81)

Anni Dietrich (81)

Spielte der Glaube eine große Rolle in der Weihnachtszeit?

Ja, ganz sicher! Ab dem ersten Advent wurde an jedem Adventsonntag Rosenkranz gebetet und auch am Heiligen Abend vor der Bescherung. Am Weihnachtstag ist man auch Rauchen gegangen, genauso wie in der Sylvester- und der Heiligendreikönigsnacht, das waren die sogenannten Rauchnächte. Man ist mit dem Weihrauchpfandl in jeden Raum gegangen und drei mal rund ums Haus, damit dieses und auch die Felder vor Unwettern usw. geschützt werden, oder auch die Hausbewohner vor Krankheiten. In der Nacht hat die Heilige-Nacht-Kerze gebrannt, die durfte nicht ausgehen, denn sonst wäre im Folgejahr jemand gestorben.

Wie ist der Weihnachtstag sonst noch abgelaufen?

In der Früh sind wir schon sehr aufgeregt aufgestanden, wir haben ja bis im Alter von 10 oder 11 Jahren an das Christkind geglaubt und auch so lange Wunschzetterl geschrieben. Zu Mittag gab es traditionell ein Bachlkoch – ein Mehlkoch mit einem Mus oben drauf. Abend vor der Bescherung wurde gebetet und es gab eine dünne Suppe, die Würstl gab es erst später nach dem Krieg. Erst da haben wir dann auch ein Schwein gehalten und vor Weihnachten geschlachtet, dann gab es am Christtag immer einen Schweinsbraten. Nach der Bescherung sind wir noch in der Stube zusammengesessen, dann machten wir uns auf den Weg zur Mitternachtsmesse.

Was hat man früher geschenkt bekommen?

Eigentlich fast nur was man gebraucht hat, aber das hat man sich oft auch gewünscht. Mein schönstes Weihnachtsgeschenk waren Handschuhe, denn der Weg in die Schule nach Saalfelden war schon sehr weit, und vor allem kalt. Ich erinnere mich noch daran, dass der Schnee damals immer an den Holzsohlen der Schuhe kleben geblieben ist, wenn es frisch geschneit hat, das war anstrengend beim Gehen! Deshalb hat man sich auch über warme Sachen gefreut. Und ein gestrickter Pullover war da schon das höchste der Gefühle, etwas Gekauftes gab es fast überhaupt nicht.

Ernst Oberaigner wurde 1932 in Uttendorf geboren, ist aber in Saalfelden bei den Zieheltern Krezenzia und Johann Pichler aufgewachsen, die als Arbeiterfamilie mehr als 20 Kinder großgezogen haben. Der erfolgreiche Schirennläufer siegte bei großen internationalen Rennen, errang Bronze bei der WM 1954 und ist mehrfacher österreichischer Meister.

Ernst Oberaigner (79)

Ernst Oberaigner (79)

Wie haben Sie die Vorweihnachtszeit früher im Vergleich zu heute erlebt?

Weihnachten ist früher, als ich noch ein Kind war, nicht einmal mit erstem Advent angegangen, sondern erst kurz vor dem Heiligen Abend. Auch Kekse und Kletzenbrot wurden erst kurz vor Weihnachten gebacken, auf alle Fälle zumindest erst nach dem Nikolaus. Außerdem war die Vorweihnachtszeit früher deutlich ruhiger. Diese ganze Vermarktung und diese Hektik so wie heute gab es früher einfach nicht. Auch der Konsum ist einfach übertrieben, aber das bringt halt auch die Zeit. Wenn heute schon Monate vor Weihnachten als Weihnachtszeit verkauft werden, nimmt das die Vorfreude. Und früher war Weihnachten tatsächlich eine ruhige Zeit, in der man auch in der Stube enger zusammengerückt ist.

Was war das Besondere für Sie an Weihnachten?

Vor allem das Essen. Denn es gab Sachen zu essen, die es im restlichen Jahr eben nicht gegeben hat, wie etwa die Würstlsuppe oder verschiedene Süßspeisen.

Was hat man früher geschenkt bekommen?

Gekriegt haben wir vor allem, was man zum Anziehen gebraucht hat, Schuhe und warme Kleidung waren die Hauptsache, darüber hat man sich aber sehr gefreut. Spielsachen gab es nur sehr vereinzelt. Man hat überhaupt selten etwas gekriegt, das man nicht auch wirklich gebraucht hat. Schi etwa waren eine Sensation und eine absolute Ausnahme. Es ist schön, dass das heute nicht mehr so ist, aber man kann es auch übertreiben. Wenn Kinder heute schon unter dem Jahr alles kriegen, wird ja gar nichts mehr auf Weihnachten aufgespart und ein Geschenk ist nichts Besonderes mehr.

Lisi Zöggeler wurde 1938 geboren und ist bei einem Bauern in Leogang aufgewachsen.

 Lisi Zöggeler (73)

Lisi Zöggeler (73)

Wie haben Sie die Vorweihnachtszeit erlebt?

Am Barbaratag, dem 4. Dezember wurden Kirschzweige abgeschnitten und eingewässert, die haben dann zu Weihnachten wunderschön geblüht. In der Adventzeit haben wir am Abend in der Stube immer Bratäpfel gemacht, das war nur im Advent. Begonnen hat der Advent immer mit dem Hausputz, vom Dachboden bis in den Keller musste jedes Pfandl glänzen. Weihnachtlich geschmückt wurde das Haus dann aber erst zwei Tage vor Weihnachten mit Tannenzweigen, zuvor gab es noch den großen Küchenputz. Man hat oft gesagt, zu den heiligen Zeiten geht der Teufel um, weil die Frauen so böse waren, weil sie so viel putzen mussten.

Gebetet wurde auch viel, damals war Weihnachten tatsächlich noch sehr eng mit dem Glauben verbunden. Einmal in der Woche gab es eine Rorate, eine Kindermesse und jeden Samstag wurde ein Rosenkranz gebetet.

An den drei Donnerstagen vor Weihnachten ist man Anklöckeln gegangen. Als Hirten verkleidet hat man mit dem Stock bei den Nachbarn an die Tür geklopft und dann Weihnachtslieder gesungen.

Kurz vor Weihnachten ist auch immer Kletzenbrot gebacken worden, jeder im Haus bekam einen eigenen Wecken und einer ist separat für den Heiligen Abend zur Seite gelegt worden, mit Zettel dran. Und dann ist im Advent natürlich immer ein Schwein geschlachtet worden, wenn zu warm erst etwas später, da es ja keine Gefriertruhe gab und die Knochen etwa im Schnee eingefroren wurden.

Was war früher das Besondere an der Weihnachtszeit?

Das war sicher das Essen. Der Vater war vor Weihnachten bei den Bauern herum zum Schlachten und hat dann oft die Zunge mitgebracht. Das war eine Delikatesse, denn Fleisch gab es ja sonst nur im Herbst, wenn ein Schaf geschlachtet wurde. Und das Fleisch vom Schwein, das vor Weihnachten geschlachtet wurde, wurde fast ausschließlich geselcht und für die Knödl, die es im Laufe des ganzen Jahres immer wieder gab, verwendet. Und zum Christtag wurde ein Schweinsbraten gekocht, später, nach dem Krieg dann Schnitzel. Ich kann mich erinnern, dass wir da so viel gegessen haben, dass wir Bauchweh gekriegt haben.

Wie ist der Weihnachtstag bei Ihnen abgelaufen?

Gleich in der Früh wurde das Vieh versorgt, dann eine Rindsuppe gekocht, die eine Seltenheit war. Am Vormittag wurde dann der Weihbuschen, der aus Kräuter und Blumen wie Eibis, Minze und Melisse bestand und am Frauentag – dem 15. August – geweiht worden war, auf drei Teile aufgeteilt, also für jede der drei Rauchnächte. Einen Teil hat man dann im Stubenofen ins Backrohr gelegt, damit er für den Abend zum Rauchen gehen schön resch wurde. Die Hacken und Messer wurden geschliffen, das war dann die sogenannte „Bachlschneid“, die besonders lange hielt. Zu Mittag gab es dann ein Bachlkoch, das alle aus einer Rein gegessen haben. In manchen Gegenden wie etwa in Tirol kam auch noch Honig drauf, das war ganz einmalig, denn Zucker gab es ja zu dieser Zeit gar nicht. Das Kripperl wurde im Herrgottswinkel aufgestellt und überall in der Stube wurden Tannenzweigerl reingesteckt. Am Abend kamen dann vor der Bescherung Schneckennudeln – eine Art Buchteln – auf den Tisch, mit Buttermilch. Die Würstlsuppe gab es damals noch nicht, die kam erst später. Nach dem Essen ging man dann Rauchen. In ein Rauchpfandl kam Glut aus dem Stubnofen, ein bisserl Weihrauch und der getrocknete Weihboschn aus dem Ofen. Mit einem Hut hat sich jeder den Rauch dreimal über den Kopf gehoben , dann wurde mit einem Weihbrunnen und einer Kerze, von den Kindern getragen, durch jeden Raum gegangen. Alles wurde mit Weihwasser bespritzt, danach ging man noch drei Mal rund um das Haus. So sollten alle im Haus, das Vieh, die Felder usw. vor Unheil geschützt werden. Nach dem Rauchen wurde dann noch gebetet, der Knecht und die Dirn sind dabei gekniet, wir Kinder saßen hinter dem Tisch. Das hat immer lange gedauert, denn drei Rosenkränze und ein Heiliger sind gebetet worden. Anschließend gingen wir mit dem Vater noch in den Stall und gaben dem Vieh etwas Salz und Kleie vermischt mit einigen Bröseln vom Weihbuschen. Danach durfte der Stall nicht mehr betreten werden, weil uns gesagt wurde, dass die Tiere in der Heiligen Nacht miteinander reden. Dann gab es endlich die Bescherung und den Heilige-Nacht-Wecken, das Kletzenbrot, das man zur Seite gelegt hatte, wurde mit drei Kreuzen gezeichnet und angeschnitten. Das war damals noch ohne Rosinen, sondern bestand eher aus getrockneten Spähbirnen und wurde mit Butter gegessen. Das Essen zu Weihnachten war einfach das Größte, das muss ich schon sagen. Die Erwachsenen bekamen dann noch ein Schnapserl, wir Kinder einen Tee und man ist zusammengesessen, bis man sich mit einer Sturmlaterne auf den Weg zur Mitternachtsmesse gemacht hat. Nur einer musste daheim bleiben und auf die Heilige-Nacht-Kerze aufpassen, denn die durfte nicht ausgehen, sonst ist im Jahr darauf jemand gestorben, hat man gesagt. Der hat dann auch die Suppe schon hergerichtet, die es nach der Messe gab. Eine Rindsuppe mit Fleisch und Weizenbrot. Das war auch wirklich eine Besonderheit, sonst gab es ja nur Roggenbrot. Suppennudeln kannte man damals bei uns noch nicht. Wie gesagt, das Essen zu Weihnachten war schon das Großartigste überhaupt. Am Christtag haben wir dann schon mit Kletzenbrot gefrühstückt und mit den paar Keksen, die es gab. Und zu Mittag gab es den Schweinsbraten, auf den man sich schon so lange gefreut hatte.

War Vorweihnachtszeit früher eine ruhigere Zeit als heute?

Auf alle Fälle. Es war ja auch viel früher dunkel, es gab noch keinen Strom. Ich erinnere mich noch, das war eine Sensation, als wir Strom kriegten und eine 15 Watt Birne in der Stube hatten. Man ist damals schon ein wenig enger zusammengerückt, drin der Stube wurde gesponnen und gestrickt. Da fällt mir noch ein Brauch ein, die sogenannte „Hauslehr“. Der Bauer hat mit Pferd und Pendel – einem Fuhrwerk, auf dem Leute sitzen konnten -den Pfarrer abgeholt, der beim Bauern ein Essen gekriegt hat. Dann sind alle Nachbarn gekommen – deshalb wurde das immer beim Bauern mit der größten Stube gemacht. Der Pfarrer sprach seine Belehrung, eine Art Predigt war das. Die Stube war da immer bummvoll, das gibt es bei einigen Bauern auch heute noch und das ist immer sehr nett. Manchmal ist es natürlich auch etwas länger geworden und es wurde schon auch mal das eine oder andere Schnapserl getrunken. Da gab es dann den Spruch: „Bei der Hausmahlehr (von Malör) ist es wieder lustig geworden.“

Asylwerber in Saalfelden

Verfasst von Mario Steidl | Tags: , , , , , , , ,
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Was ist ein Flüchtling?

Ein Flüchtling ist nach der Genfer Konvention eine Person, die „…aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann…“.


In Saalfelden warten 30 Asylwerber auf eine Entscheidung über ihre Zukunft.

In Saalfelden warten 30 Asylwerber auf eine Entscheidung über ihre Zukunft.


Abwicklung des Verfahrens

Alle Flüchtlinge/Asylwerber kommen in der Regel durch Schlepper in die EU und auch nach Österreich, wo sie in einem Aufnahmezentrum wie etwa am Flughafen Schwechat, in Traiskirchen oder Thalham in Form eines Erstantrages um Asyl ansuchen. Das gesamte Asylverfahren wird in jenem Land abgewickelt, wo dieser Erstantrag gestellt wurde. Danach ist es nicht mehr möglich – etwa nach einem negativen Bescheid – in einem anderen Land der EU noch einmal einen Antrag zu stellen.

Vom Erstaufnahmezentrum aus werden die Asylwerber auf ganz Österreich aufgeteilt, wobei jedes Bundesland eine Quote zu erfüllen hat. Für Saalfelden sind von Seiten der Stadtgemeinde 30 Asylwerber zugelassen. Nach der ersten Einvernahme im Bundesasylamt Innsbruck erhalten diese Menschen meistens nach zwei bis drei Monaten einen Bescheid, der aber sehr häufig negativ ausfällt. Die Asylwerber können oft einfach nicht nachweisen, dass sie zu Hause tatsächlich verfolgt werden – wie auch. Die zweite Instanz, in der der Asylgerichtshof in Linz oder Wien eine Entscheidung fällt, kann sich dann über zwei Jahre oder länger hinziehen. Erst heuer werden alle Fälle bis 2007 aufgearbeitet werden.

Versorgung der Flüchtlinge

Für die Vollversorgung – also Unterkunft, Frühstück, Mittag- und Abendessen – werden von der Landesregierung pro Person und Tag 16,50 Euro bezahlt. Jeder Asylwerber erhält 40 Euro pro Monat Taschengeld. Von diesem Taschengeld müssen allerdings auch die Kosten etwa für ein Zugticket nach Innsbruck zur Anhörung vor dem Asylamt oder für einen Ausweis getragen werden. In Saalfelden werden die Asylwerber von der örtlichen ehrenamtlichen Kleider-Caritas mit Bekleidung versorgt, zwei mal im Jahr erhalten sie zudem Gutscheine von KIK und Yello. Auch die Ärzte in Saalfelden sind um die Asylwerber sehr bemüht und leisten eine großartige Arbeit.

Weniger einfach haben es Asylwerber, die individuell – also nicht in einem Heim wie in Saalfelden – untergebracht werden. Sie erhalten monatlich 300 Euro, müssen davon 110 Euro für das Zimmer bezahlen und sollen dann von den verbleibenden 190 Euro leben, also sich ernähren und mit Kleidung versorgen. Arbeiten ist einem Asylwerber nicht erlaubt, aus diesem Grund rutschen die Menschen häufig in Prostitution, Drogenhandel oder Schwarzarbeit ab. Das Geld reicht einfach nicht einmal für das Nötigste. Zudem gibt es keine Form der Integration, keine Kontrolle, weswegen sehr viele dieser individuell untergebrachten Flüchtlinge in den Untergrund abtauchen.

Die Dezentralisierung der Flüchtlingsbetreuung ist im Gegensatz zu sehr großen Flüchtlingseinrichtungen weitaus vorteilhafter. Der Einzelne erfährt mehr persönliche Betreuung, die Kontaktaufnahme mit Einheimischen ist ebenfalls einfacher, da z.B. 30 Asylwerber wie in Saalfelden bei den Einheimischen kaum zu Ängsten oder Konflikten führen, während eine Überzahl doch viele überfordern würde.

Soziales Leben der Flüchtlinge

In Saalfelden haben die Asylwerber einen Internetanschluss im Haus, mittlerweile besitzen fast alle einen eigenen Computer, der häufig aus dem Müll geholt und repariert wurde. Gerade das Internet ist neben Briefen oft die einzige Verbindung in die Heimat. Fernsehen, einen Fitnessraum, eine Drehfußballtisch, Tischtennis, Fahrräder und eine ermäßigte Schwimmbadkarte von der Gemeinde bieten Freizeitbeschäftigungen. Ein regulärer Deutschkurs über die Volkshochschule wird von Oktober bis Juni angeboten. Während der Sommerpause wird in der Unterkunft täglich eine Stunde „Sprachkurs“ abgehalten. Auf Grund der unterschiedlichen Herkunft ist das für einige auch die einzige Sprache, in der sie sich untereinander verständigen können. Angesichts der vielen Kulturen, die unter einem Dach leben, muss sich jeder Asylwerber in Toleranz und gegenseitigem Verständnis üben. Das Angebot von gleich vier Kirchen in Saalfelden (katholisch, evangelisch, orthodox und muslimisch) ist österreichweit fast einzigartig und sehr hilfreich angesichts der vielen verschiedenen Religionszugehörigkeiten.

Für die Asylwerber gilt Anwesenheitspflicht, alle Personen müssen sich abmelden, wenn sie Saalfelden für einen Tag verlassen wollen oder müssen. Regelmäßige Kontrollen werden von der örtlichen Polizei, den Bezirks- und Landesbehörden und dem Innenministerium durchgeführt.

Zahlen und Fakten (Quelle: www.asyl.at)

Wurden im Jahr 2001 noch rund 30.000 Asylanträge gestellt, waren es im Jahr 2010 lediglich noch 11.000. 1.100 Anträge wurden 2001 positiv beantwortet, 3.600 negativ. Im Jahr 2010 fielen auf rund 3.000 positive 13.300 negative Bescheide.

Der Anteil der positiven Asylentscheidungen des Bundesasylamtes ist von 49,3% 2008 auf 34,7% 2009 gefallen, beim Asylgerichtshof von 21,2% auf 11,3%. Während also zuvor noch 32% der Verfahren mit Asylgewährung endeten, sind es 2009 nur noch 19,5%.

Autor: Mario Steidl
Foto: Bernhard Pfeffer

Garnisonsstandort gesichert

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Immer wieder gibt es Gerüchte um die Anton Wallner Kaserne. Bleibt der Standort und damit zahlreiche Arbeitsplätze erhalten? Das Stadtblatt hat mit Kasernenkommandant Oberst Lasser gesprochen.

 

„Alles Antreten“ wird es auch weiterhin heißen in der Anton Wallner Kaserne Saalfelden.

„Alles Antreten“ wird es auch weiterhin heißen in der Anton Wallner Kaserne Saalfelden.

 

Als 2008 die Jägerschule Saalfelden aufgelöst wurde, geschah dies nicht, weil eine Schließung der Wallnerkaserne zur Diskussion stand, sondern weil sämtliche Waffenschulen in Österreich zusammengezogen und in das Burgenland verlegt wurden. Geblieben ist allerdings das Gebirgskampfzentrum – aus diesem Grund ist der Standort Saalfelden für das Österreichische Bundesheer auch gesichert. In Zukunft setzt dieses nämlich weniger auf schwere Waffensysteme – diese werden eher reduziert – sondern auf eine Spezialisierung der Infanterie. „Österreich ist in der Gebirgsausbildung international enorm gefragt und legt seinen Schwerpunkt auf sein Ausbildungsangebot im Gebirge und auf die Alpinausbildung“, so Oberst Lasser, der Kommandant der Wallner Kaserne Saalfelden. Und weiter: „Sämtliche ranghohe Offiziere des österreichischen Bundesheeres, einschließlich Generalleutnant Othmar Commenda, haben sich den Standort Saalfelden vor Ort angesehen und klar formuliert, dass dieser Standort nicht in Frage gestellt wird.“ 

Hohe Ausbildungsstandards 

Das Gebirgskampfzentrum besteht nun seit zwei Jahren und kann pro Jahr auf rund 1.100 Lehrgangsteilnehmer aus Österreich und 100 Teilnehmer aus 20 Nationen zurückblicken. Die NATO etwa oder EU-Mitgliedsländer, die in Afghanistan aktiv sind, lassen ihre Soldaten zum Teil in Saalfelden ausbilden. Der Grund: Die Ausbildungsstandards sind im internationalen Vergleich enorm hoch. Auch mit einigen Balkanländern wie etwa Montenegro gibt es Kooperationen. Österreich hilft dort beim Aufbau einer eigenen Gebirgskampftruppe mit, deren Mitglieder wiederum in Saalfelden ausgebildet werden. 

Neu: Jägerkompanie für Grundwehrdiener 

Nach dem Abzug der Jägerschule aus der Anton Wallner Kaserne wurde die Personalstruktur um ein Drittel reduziert, 100 Arbeitsplätze können aber als gesichert betrachtet werden. Hinzu kommt: In Saalfelden wurden bis vor kurzem Präsenzdiener nach der Grundausbildung als Systemerhalter eingesetzt. Jetzt gibt es eine eigene Jägerkompanie für Grundwehrdiener. Das hat den Vorteil, dass junge Leute sich auch bei uns zum Bundesheer verpflichten können. Diese Möglichkeit wurde bereits von 5% der rund 300 Rekruten pro Jahr genutzt. Und das bietet auch einen weiteren Vorteil für Saalfelden und die gesamte Region: Es sind zukünftig Bundesheersoldaten vor Ort, die im Katastrophenschutz sofort eingesetzt werden können. 

Dass das gesamte Areal der Anton Wallner Kaserne in der bestehenden Größe erhalten bleibt, sei so gut wie sicher, so Oberst Lasser, hänge letztlich aber auch von der aktuellen Wehrdienstdebatte bzw. der Beibehaltung der Wehrdienstpflicht ab. 

Foto: Österreichisches Bundesheer/Anton Wallner Kaserne

Grauzone Glücksspiel

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Wetten, spielen, pokern – das Glücksspiel boomt. Auch in Saalfelden bieten Lokalbetreiber Glücksspiele, Sportwetten und Pokerrunden an. Doch ist das alles auch legal?

Pokern zählt in Österreich zu den Glücksspielen.

Pokern zählt in Österreich zu den Glücksspielen.

 

In Österreich gibt es ein Glücksspielmonopol, das nur einem staatlich konzessionierten Anbieter erlaubt, Glücksspiel anzubieten. Der Gesetzgeber hat im Rahmen dieses Monopols insgesamt 13 Konzessionen vergeben, wobei mit der Casinos Austria AG nur eine einzige Gesellschaft alle Konzessionen besitzt. Das ist laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EUGH) nicht rechtskonform. Mit Auslaufen dieser Konzessionen im Jahr 2012 kommt es deshalb zu Neuausschreibungen. Sämtliche Glücksspiele sind in besagten Konzessionen genau definiert und dürfen ausschließlich vom Konzessionär angeboten werden. Das sind einerseits alle Lebendspiele, also Spiele mit einem Croupier wie bei Roulette, Baccara, Black Jack etc. und alle Automatenglücksspiele.

Das Kleine Glücksspiel

Glücksspielautomaten fallen unter das Salzburger Veranstaltungsgesetz, in welchem das sogenannte „Kleine Glücksspiel“ bzw. die „Landesausspielung auf Glücksspielautomaten“ geregelt ist. In Salzburg ist das kleine Glücksspiel und somit jeder Automat verboten. Ausgenommen davon sind so genannte VLTs (Video Lottery Terminals), bei denen die Entscheidung, ob ein Spieler gewinnt, nicht direkt im Gerät, sondern an einem zentralen Server getroffen wird. Das Finanzministerium hat nämlich zusätzlich zu den Konzessionen auch Standorte für diese Terminals genehmigt – Inhaber ist auch hier ausschließlich die Casinos Austria AG. Wenn es sich nicht um einen VLT handelt, der Terminal also über keine Internetverbindung verfügt, können Sie davon ausgehen, dass dieser illegal betrieben wird.

Kleines Glücksspiel legalisieren?

Man schätzt, dass allein im Land Salzburg bis zu 1.500 illegale Automaten aufgestellt sind. Eine Zulassung des kleinen Glücksspiels würde hier Abhilfe schaffen, da klare Kontrollrichtlinien möglich wären. Außerdem dürften in ganz Salzburg dann nicht mehr als 450 Stück davon stehen, da laut Gesetz pro 1.200 Einwohner nur ein Automat zulässig ist. Zudem würde für einen besseren Spielerschutz gesorgt, da Automaten durch dubiose Betreiber nicht mehr manipuliert werden könnten und Spieler eine registrierte Spielerkarte haben müssten. Die Einsätze wären limitiert und Jugendliche würden am Spielen gehindert. Auch die tägliche Spielzeit pro Person würde eingeschränkt. Das Suchtpotenzial bei Glücksspielen ist nicht zu unterschätzen. Suchtverhalten äußert sich einerseits durch immer mehr Zeit, die man in Glücksspiele investiert und andererseits durch das so genannte „Chasing“, also dem Nachjagen von verlorenem Geld, das immer höhere Einsätze nach sich zieht – bis zum totalen Bankrott.

Sportwetten

Diese sind völlig legal und auch nicht konzessioniert. Denn der Ausgang eines einzelnen sportlichen Wettbewerbes kann von zahlreichen Faktoren abhängen, über die man Kenntnis erlangen kann (Wetter, Tagesverfassung, Bodenverhältnisse, Gesundheitszustand etc.). Der Gesetzgeber ist hier der Ansicht, dass die Vorhersage des Ergebnisses eher von der Geschicklichkeit als vom Zufall bestimmt wird. Wettautomaten mit Hunderennen oder Ähnlichem sind hingegen nach Auskunft des Bundesministeriums für Finanzen gesetzeswidrig, da es sich dabei um aufgezeichnete Bewerbe handelt und die Geschicklichkeitskomponente sich zu Gunsten des Zufalls verändert.

Poker

Poker liegt derzeit voll im Trend, wird im Fernsehen übertragen und kann im Internet und in Casinos gespielt werden. Die Diskussion, ob Poker ein Glücksspiel oder ein Geschicklichkeitsspiel ist, wird seit langem geführt. In Österreich hat sich der Gesetzgeber für ersteres entschieden. Poker darf demnach ausschließlich in konzessionierten Casinos gespielt werden. Einzige Ausnahme bildet hier laut Finanzministerium der sogenannte „Kleine Wirtshauspoker“. Dieser ist erlaubt, wenn maximal 10 Euro pro Spieler eingesetzt werden, dass nicht mehr als 1.000 Euro Gewinn möglich sind und nicht öfter als einmal pro Quartal gespielt wird. Wenn Pinzgauer Gastronomiebetriebe, unter anderem eine Saalfeldner Bar, die den Namen „Casino“ trägt, mehrmals pro Woche Pokerturniere anbieten, so ist das laut geltendem Recht gesetzeswidrig. Warum wird es trotzdem geduldet? Dieser Frage ging das Stadtblatt bei verschiedenen Behörden nach. Antworten gab es lange Zeit keine. Erst die Pressesprecherin von Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka gewährte Einblick in die verwirrende Gesetzeslage: „Nach Ansicht des Finanzministeriums ist unternehmerisches Pokern nur in Spielbanken erlaubt. Nach alter Rechtslage gibt es aber einen Rechtsstreit, der noch nicht höchstgerichtlich entschieden ist. Diese Rechtsunsicherheit endet spätestens mit Ende 2012. Denn dann gilt für alle das neue Gesetz.“

Unser Fazit: Glücksspiel birgt zu große Gefahren, um so viel rechtlichen Spielraum zu gewähren.

 

Autor: Mario Steidl
Bild: Fotolia.com

Rückkehr des Bibers

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Der Biber kann Bäume mit einem Durchmesser bis 40 cm fällen.

Der Biber kann Bäume mit einem Durchmesser bis 40 cm fällen.

 

Mitte des 19. Jahrhunderts war der Biber in Europa auf Grund seines Felles und als begehrte Fastenspeise nahezu ausgerottet. Nun erholen sich die Bestände. Auch in Saalfelden wird wieder genagt.

Anzeichen für die Anwesenheit von zumindest einem Biber in Saalfelden gibt es schon seit mehreren Jahren, nun ist es gewiss: Der Biber ist zurück. Das Stadtblatt erhielt aktuelle Nachtaufnahmen von einem ca. 20 kg schweren Prachtkerl. Das Tier kann ausgewachsen bis zu 30 kg erreichen und lebt vermutlich alleine in Saalfelden.

Der Biber ist ein hervorragender Baumeister, sein Bau spielt eine zentrale Rolle in seinem Leben. Der Eingang dazu muss immer unter Wasser liegen, weshalb der Biber schon mal Staudämme baut, um den Wasserspiegel anzuheben. Meister Bockert, wie er in Fabeln genannt wird, ist ein ausgezeichneter Schwimmer und kann bis zu 15 Minuten unter Wasser bleiben. Enorm wichtig für den Lebensraum des Bibers sind langsam fließende oder stehende Gewässer mit Baumbeständen und Gebüsch entlang des Wassers. Dieses Gehölz benötigt er für seinen Bau. Der Biber ist ein Pflanzenfresser und ernährt sich im Sommer vor allem von Wasserpflanzen, Wurzelknollen, Gräsern und Kräutern. Im Winter legt er Vorräte an oder fällt Bäume, um an deren Rinde zu kommen. Die kegelförmig abgenagten Stammreste sind dann auch die deutlichen Hinweise auf die Anwesenheit des Bibers.

„Unser“ Biber - gefilmt mit einer Nachtkamera.

„Unser“ Biber - gefilmt mit einer Nachtkamera an einem Seitenarm der Saalach.



Zugewandert dürfte der heimische Biber aus Bayern sein, dort ist der Bestand schon seit Jahren wieder im Wachsen begriffen und betrug 2005 bereits zwischen 7.000 und 10.000 Tiere. Bleibt zu hoffen, dass er – oder sie, das wissen wir nicht – auf einen ebenfalls zugewanderten Partner trifft und sich so wieder eine größere Biber-Population an unseren Gewässern bilden kann. Denn der Biber renaturiert Gewässer sozusagen kostenlos und bringt Dynamik in Bach- und Flusslandschaften. Ein Appell geht an dieser Stelle noch an alle Hundebesitzer: Bitte die Hunde anleinen, da diese Biber jagen und im schlimmsten Fall töten können.

Autor: Mario Steidl

Bilder: Fotolia.com/privat

Wie wird der Winter?

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Seit 40 Jahren beschäftigt sich Horst Nöbl mit dem Wetter in Saalfelden. Der pensionierte Wasserbautechniker erstellt jährlich eine Winterprognose und liegt damit erstaunlicherweise bis zu über 90% richtig. 

Horst Nöbl zeigt an, wie hoch die Schneedecke heuer werden kann.

Horst Nöbl prognostiziert einen schneereichen Winter.


Wetterprognosen für den Winter zu erstellen geschieht mittels mehrerer Parameter. Eine sehr ausgeprägte Vegetation im Sommer deutet auf viel Schnee, der frühe Abzug der Zugvögel auf einen frühen Wintereinbruch hin. Eine geringe Propolisabdichtung der Bienen (Abdichtung der Bienenstöcke) deutet hingegen auf einen nicht allzu kalten Winter hin. Mit solchen Beobachtungen allein begnügt sich der Obmann der Saalfeldner Imker natürlich nicht, denn der wichtigste Indikator ist der Rhythmus des Wetters. Seit 40 Jahren zeichnet Horst Nöbl täglich Sonnendauer, Temperatur, Luftdruck, Bewölkungsgrad und Niederschlagsmenge auf. „Temperatur und Niederschlagsmenge folgen einem sehr ausgeprägten Rhythmus – sie wiederholen sich in einem Zeitabstand von etwa sieben Monaten. War es also im Mai eher kalt und regnerisch wie heuer, lässt sich daraus schließen, dass dies auch im Dezember so sein wird“, so Horst Nöbl. Und noch ein natürlicher Rhythmus lässt sich deutlich erkennen: Bis auf wenige Ausnahmen folgen auf drei schneearme immer drei schneereiche Winter, und ein solcher dürfte uns heuer bevorstehen.

Zusammengenommen bilden diese Perioden gemeinsam mit den Durchschnittswerten jahrzehntelanger Wetterbeobachtungen die konkreten Vorhersagen. Für die Details seiner Prognosen sucht sich Nöbl immer noch ein Vergleichsjahr, das seiner Prognose am nächsten kommt. Für heuer wäre das 1968. Für Dezember hat sich die Prognose des Wetterbeobachters mit dem frühen Wintereinbruch bereits erfüllt. Für den gesamten Februar prognostiziert er ebenfalls eine winterliche Phase. Dafür dürfte es im März bereits sehr warm werden, im April aber noch einmal ein Kälteeinbruch wahrscheinlich sein. 

Auf Bauernregeln hält Horst Nöbl einiges, resultieren sie doch ebenfalls aus beobachteten Regelmäßigkeiten oder Folgeerscheinungen. Ereignisse wie die Eismänner, die Schafskälte oder das Weihnachtstauwetter, das sich heuer etwas verspäten dürfte, sind hingegen sogenannte Singularitäten, die jedes Jahr vorkommen, wenn auch nicht genau zu einem Datum. Aber auch sie basieren auf Rhythmus und Perioden in der Natur. All diese Parameter ergeben dann zusammengenommen einen Durchschnittswert, der für November bis Jänner zu 90%, im Frühjahr zu 80% zutrifft. Und recht viel genauer schafft es Christa Kummer kaum mit der Drei-Tages-Vorschau.


Bild: Mario Steidl

Nichtraucherschutz made in Austria

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Seit 1. Juli gilt in der Gastronomie das Tabakgesetz, das den Schutz von Nichtrauchern vorsieht. Wie sieht es bei den Saalfeldner Gastronomen mit der Umsetzung aus? Eine Bestandsaufnahme.

Theorie …

Hintergrund des Tabak- und somit Nichtraucherschutzgesetzes ist der Umstand, dass auch das Einatmen von „Nebenstromrauch“, wie es der Gesetzgeber nennt, also das Passivrauchen, gesundheitsschädlich ist. Und davor sollen die Menschen, vor allem die Nichtraucher und das Personal in Betrieben, geschützt werden. Nun wäre das Ganze natürlich kein österreichisches Gesetz, wenn es dazu nicht auch eine österreichische Lösung in Form von Ausnahmeregelungen gäbe. Denn wenn es sich bei den Gastronomieräumen um nur einen Raum handelt und dieser kleiner als 50 m² ist, kann der Betreiber selbst entscheiden, ob dieser Raum ein Raucher- oder Nichtraucherraum ist. Die gleiche Regelung gilt für gastronomische Betriebe mit nur einem Gastraum, der eine Grundfläche zwischen 50 und 80 m² hat und wo eine Raumteilung zur Schaffung eines Raucherzimmers aus baulichen, feuerpolizeilichen oder denkmalschutzrechtlichen Gründen nicht zulässig ist. In Ein-Gastraum-Lokalen mit einem Gastraum größer als 80 m² gilt grundsätzlich Rauchverbot. In kleinen Räumen, in denen es also noch mehr raucht als in großen, müssen die Nichtraucher oder das Personal nicht vor dem „Nebenstromrauch“ geschützt werden. Klingt komisch, ist aber so.

Wenn ein Lokalinhaber die neue Regelung nicht einhält, muss er mit Sanktionen rechnen. Denn wenn man gegen ein Gesetz verstößt, wie etwa bei zu schnellem Fahren, wird man bestraft. Im Falle des Tabakgesetzes sowohl Wirt als auch Gast mit Strafen bis zu € 10.000 bzw. € 1.000. Nun wären wir aber nicht in Österreich, gäbe es nicht auch einen Graubereich hinsichtlich der Zuständigkeit: Denn der Gesetzgeber hat der Polizei keine Mitwirkungspflicht gegeben, um das Gesetz zu exekutieren, sprich in Lokalen zu kontrollieren. Somit wäre eigentlich – im Fall von Saalfelden – die BH Zell am See für die Kontrolle zuständig. Diese hat aber wiederum nicht genügend Personal dafür. Klingt noch komischer, ist aber trotzdem so.

Nach wie vor blauer Dunst in vielen Lokalen - der Gesetzgeber macht`s möglich.

Nach wie vor blauer Dunst in vielen Lokalen - der Gesetzgeber macht`s möglich.


… und Praxis

Wie sieht die Situation aber nun in Saalfelden aus? An der Umsetzung mangelt es kaum, nahezu alle Gastronomen der Restaurants haben eigene Raucher- sowie Nichtraucherräume. Einzelne kleinere Restaurants bitten ihre Gäste, erst nach dem Essen oder etwa erst ab 21 Uhr zu rauchen. In einigen Betrieben hat man bereits seit längerer Zeit auf Nichtraucher umgestellt und ist sehr zufrieden damit, sowohl seitens der Gäste als auch der Wirte. Gerade in der Speisengastronomie weiß der Großteil die Nichtraucherbereiche sehr zu schätzen, und das betrifft sogar Raucher.

Etwas anders sieht die Situation in den Nachtlokalen aus, denn dort lautet der Grundtenor der Wirte anders: Ein Rauchverbot würde einen Umsatzeinbruch bedeuten, da der Anteil an Rauchern so groß sei. Zudem ist die Barkultur für die meisten Nachtlokalbetreiber auch eng mit der Raucherkultur verbunden. „Wenn ich im Monat um € 3.000 Zigaretten verkaufe, zeigt mir das mehr als deutlich, dass unser Publikum zum Großteil aus Rauchern besteht“, so ein Lokalbesitzer. Dass in der Speisengastronomie nicht geraucht würde, begrüßen aber alle, sogar Raucher selbst.

Trotzdem: Nahezu jeder Gastronom wünscht sich eine einheitliche Lösung seitens des Gesetzgebers und nicht dieses „Wischi-Waschi Gesetz“, wie viele es bezeichnen. Denn die unterschiedlichen Lösungen anhand der Lokalgröße stuft ein Großteil der Wirte als wettbewerbsverzerrend ein. „Wenn ein Raucherpärchen kommt und die merken, dass man bei mir nicht rauchen darf, wechseln sie das Lokal“, so ein weiterer Lokalbetreiber, der auf Grund der Lokalgröße auf Nichtraucher umstellen musste. Einzelne Gastronomen gehen sogar so weit, ihre Räumlichkeiten zu verkleinern, um ein Raucherbetrieb bleiben zu können und keine Umsatzeinbrüche hinnehmen zu müssen.

Fazit

Während sich in der Speisengastronomie der Großteil der Wirte samt Gästen zufrieden über die Umsetzung des Gesetzes und die Nichtraucherräume zeigt, kann man sich in den Nachtlokalen nur schwer mit der Regelung anfreunden. Die meisten Nachtlokale fallen in die „50 m²-Regelung“, auch wenn man da vereinzelt alle Hühneraugen zudrücken muss. Aber wie heißt es so schön: Wo kein Personal, da kein Richter. Oder so ähnlich …

Autor/Bild: Mario Steidl

Stechaubauer – ein Biohof der ersten Stunde

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„Bio“ ist in aller Munde. Doch was macht “Bio” eigentlich aus? Wer sind die produzierenden Menschen, die hinter dieser Lebensphilosophie stehen? Blog-Redakteur Mario Steidl hat den Biohof Stechaubauer in Wiesersberg besucht – und war schwer beeindruckt.

Michael Haitzmann sen. hatte den Hof bereits 1959 von seinem Vater übernommen. Eigentlich lief alles ganz gut, trotzdem war er nicht ganz zufrieden. So beobachtete er etwa, dass die Kühe lieber entlang den Zäunen in den feineren Beständen grasten, als mitten im Feld ins fette Gras zu beißen. Denn: Die bunte Vielfalt von Gräsern und Kräutern in den Wiesen schwand immer mehr. Der wohl bedeutendste Einschnitt für Michael Haitzmann sen. war aber dann die Begegnung mit Dr. Müller aus der Schweiz, der ihn in Wiesersberg besuchte und ihm über die Biogenossenschaft und die Bio-Betriebe in der Schweiz erzählte. Der anfängliche Unglaube, dass man auch ohne Kunstdünger hohe Erträge erzielen konnte, ließ ihn in die Schweiz reisen, um sich selbst davon zu überzeugen. Von da an setzte Michael Haitzmann nur mehr auf natürlichen Dünger, nämlich auf Gesteinsmehl des Saalfeldner Diabas, das in seiner Zusammensetzung dem fruchtbaren Nilschlamm gleicht sowie Mist und Kompost des eigenen Betriebes. Eine leichte Zeit war das damals nicht, sondern eher hart verdientes Brot. Denn er durfte sich als Spinner abtun lassen und erhielt keinen Cent mehr bezahlt als für herkömmliche Produkte und auch keine Förderungen. Dafür aber bald Besuch vom Rektor der Hochschule für Bodenkultur, Prof. Herbert Franz, oder der sehr interessierten Dr. Libiseller von der Landwirtschaftlich-Chemischen Versuchsanstalt in Wien, die die Fortschritte beobachteten. Und ein sehr kritischer Ing. Fill von der Düngeberatungsstelle Innsbruck teilte dem Biobauern Haitzmann nach einigen Jahren Skepsis mit: „Was ich bei dir jetzt mitverfolgt habe, da muss ich gestehen, dass ich auf dem falschen Posten bin.“

Martin Haitzmann ist Biobauer in dritter Generation - das gibt es wohl auf wenigen Höfen

Martin Haitzmann ist Biobauer in dritter Generation - das gibt es wohl auf wenigen Höfen

Der Sohn Michael – damals noch halb ein Bub – machte ein Praktikum beim Biobauern Dähler in der Schweiz, und wollte seine Erfahrungen prompt in Saalfelden umsetzen, auch wenn das Klima und die Böden hier nicht unbedingt optimal dafür sind und der Ackerbau in Saalfelden schon damals de facto verschwunden war. Wovon alle abrieten, genehmigte wiederum der Vater. Anfangs hat vieles tatsächlich nicht geklappt, doch aus der damaligen “Wahnsinnsvorstellung” von einer Kartoffelernte um die 1.000 Kilo wurden mittlerweile 50.000 (!) pro Jahr. Und mit dem Gemüseanbau kam auch der Ab-Hof-Verkauf und so steht die Nahversorgung in der Region mittlerweile im Mittelpunkt der Vermarktung.

Wo liegt aber nun der Unterschied zwischen konventioneller und biologischer Landwirtschaft? Davon abgesehen, dass keine chemischen Stoffe für Düngung und Pflanzenschutz verwendet werden, geht es vor allem um den nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen. Das heißt konkret: Die Bewirtschaftung der Äcker erfolgt in einem Kreislauf von fünf Jahren. Begonnen wird mit Feldfrüchten, die dem Boden besonders viel Stickstoff entziehen, in den Folgejahren wird die Bepflanzung mit jenen Früchten fortgesetzt, die davon weniger benötigen. Nach drei Jahren Bepflanzung kann der Acker weitere drei Jahre “rasten”. Er wird während dieser Phase mit Hafer und Klee besetzt. Dieser dichte Bewuchs nimmt dem Boden den Stress, der durch Fruchtbepflanzung und Bearbeitung gegeben ist und lässt diesen auch hinsichtlich des Humusaufbaus sich regenerieren. Klee und Hafer eignen sich zudem hervorragend als Futter für die 23 Milchkühe, 25 Kälber und die 10 Schweine, deren Ausscheidungen wiederum als Dünger dienen – womit sich ein natürlicher Kreislauf schließt. Apropos Düngung: Düngung und Bodenleben sind zwei Schlüsselwörter für die Biobauern. Wie darf man das verstehen? Vereinfacht dargestellt wird in der konventionellen Landwirtschaft die Pflanze direkt gedüngt, und zwar chemisch. Der Boden dient eigentlich nur als Träger der Pflanze. In der biologischen Landwirtschaft wird sozusagen das Bodenleben “gefüttert” und zwar mittels der Einbringung der Pflanzenreste sowie mit dem schon angesprochenen Bepflanzungskreislauf und nicht zuletzt mit tierischem Dung. Der so natürlich angereicherte und mit gesunden Mikroorganismen überfüllte Boden düngt wiederum die Pflanze – eine künstliche Düngung ist nicht nötig. In der konventionellen Landwirtschaft sieht Michael Haitzmann die Zukunft weniger rosig: „Stickstoffdünger wird aus Erdöl hergestellt, das ohnehin nicht mehr ewig verfügbar sein wird. Kann dieser Dünger nicht mehr produziert werden, werden auch die Erträge zurückgehen, ebenso, wie der nutzungsfähige Boden durch die Überdüngung zurückgehen wird.“

Die erwähnten Tiere werden übrigens ebenso natürlich gehalten: Die Henderl graben im Gras ihre Mulden, in denen sie ein Sandbad nehmen, die Schweine wühlen sich durch den Erdboden und die Kühe verbringen den Sommer stoisch vor sich hinkauend auf den Weiden. Glückliche Tiere also wie aus dem Bilderbuch.

Dass biologische Landwirtschaft eng mit Klimaschutz verbunden ist, erklärt mir der Jungbauer Martin. Denn als Biobauer betreibt man aktiven Humusaufbau, der Co2 bindet. Sowohl die Pflanze selbst als auch die Erde binden Kohlenstoff. Durch die organische Verwertung der Trägerpflanzen, also die Wiedereinarbeitung in den Boden wird der Kohlenstoff gespeichert, bleibt also im Boden. In Österreich könnten allein durch Kompostierung 200.000 Tonnen CO2 pro Jahr im Boden gespeichert werden.

„Bio“ muss natürlich auch kontrolliert werden: Es gibt eine EU-Bioverordnung, einen Vertrag mit einer staatlich anerkannte Kontrollstelle, die diesen auch überwacht, und dann ist der Stechaubauer auch noch Mitglied beim Verband „Bio Austria“, der die Richtlinien noch höher ansetzt.

Dass “Bio” nun gesünder ist, steht außer Frage, aber warum schmeckt es eigentlich besser? Ganz einfach: Weil die künstliche Düngung fehlt, wächst die Pflanze eben nicht in Rekordzeit und bildet keine so großen Zellen, die viel Wasser speichern. Biologische Pflanzen wachsen langsamer und sind dadurch auch geschmacksintensiver. Dass “Bio” etwas teurer ist als Produkte aus konventioneller Landwirtschaft, liegt auf der Hand, und das im wahrsten Sinne des Wortes: Unkraut etwa kann nicht mit chemischen Mitteln einfach beseitigt werden, sondern muss tatsächlich händisch oder mechanisch entfernt werden. Die Erträge sind nicht so hoch und auch das Reifen der Früchte dauert länger. Und es handelt sich ja auch nicht um eine industrialisierte Massenproduktion. Aber dieser etwas höhere Preis wird von allen Kunden angesichts der deutlich höheren Qualität und dem Wissen um Herkunft und nachhaltiger Bewirtschaftung gerne in Kauf genommen. Denn wie natürlich ist es eigentlich, dass ein „Ja!Natürlich“- Brokkoli in gleich viel Plastik eingewickelt ist wie ein Siloheuballen oder dass man Paprika, Zucchini und Co im Fünfer-Plastik-Korb kaufen muss, auch wenn man nur ein Stück braucht? Beim Stechaubauern erhalten Sie auch eine einzelne Karotte, ein Ei oder eine Zwiebel. Und sie fühlen sich beim Betrachten der Ware nicht wie in der Plastikabteilung …

Was nicht ganz einfach ist, ist die Kalkulation der Ernte, denn man kann nicht bis ins Detail planen, wie reichlich (oder auch nicht) diese ausfallen wird. Und man hat keinen Großabnehmer wie eine Supermarktkette, welche die gesamte Produktion abnimmt. Doch hier gibt es die vielleicht hart klingende aber logische Überlegung: „Bevor ich etwas unter seinem Wert anbiete und den Preis kaputt mache, bringe ich es gar nicht auf den Markt, wo es zu Abfall wird, sondern lasse es als Kompost auf dem Feld und reichere damit wieder den Boden an.“

Der Betrieb ist in den letzten Jahrzehnten gewachsen, aber nicht nur auf Grund der Nachfrage, sondern allein schon wegen der Produktvielfalt: Denn sowohl dem Vater Michael als auch dem Sohn Martin steht die Leidenschaft ins Gesicht geschrieben, wenn sie von ihren Experimenten sprechen und diese stolz vorzeigen: Violette Paprika, Reisetomaten, chinesische Pfefferoni oder asiatische Blattgemüse werden angepflanzt. Aber auch Gemüse wie die Saubohnen, die man früher zum Füttern der Schweine anpflanzte oder die ein ‚Arme Leute Essen’ waren, sind heute wieder sehr gefragt. Und das macht Michael Haitzmann besonderen Spaß: Alte Produkte wieder zu entdecken.

Biologischer Landwirt zu sein ist für Michael Haitzmann auch eine Lebensphilosophie, denn er sieht den Beruf Bauer wie ein Handwerk, in dem die Individualität eine große Rolle spielt und die für ihn auch einer Erhaltung von Kulturgut gleich kommt: Denn je mehr man in die Großerzeugung geht, desto mehr geht diese Individualität verloren. „Früher hat vielleicht fast jeder Bauer Pinzgauer Käse produziert, aber jeder hat anders geschmeckt. Wenn nun eine Großmolkerei zwanzig verschieden Käse verkauft, ist das trotzdem nicht mehr die gleiche Vielfalt. Und ähnlich verhält es sich mit Gemüsesorten.“ Als Biobauer kann man auch nicht über das ganze Jahr alles anbieten, wie es in den Supermärkten Mode ist. Aber muss man tatsächlich im Februar Tomaten oder Gurken essen? Manches wird zwar zugekauft, aber stolz zeigt man sich trotzdem angesichts eines zum Teil sehr bewussten Kundenstocks, der sich dazu entscheidet, nur jene Produkte zu kaufen, die auch saisonal angepflanzt werden. Und so klein ist die Palette auch im Winter nicht: Einlagerungsfähiges Gemüse hält sich über Monate im eigenen Lager und im Glashaus lassen sich im ganzen Winter diverse Blattgemüse ziehen. Angebaut wird also fast das ganze Jahr über. Und ein Zuckerschlecken ist dieser Beruf auch nicht gerade. „Wir beginnen um sechs Uhr morgens und vor acht Uhr abends kommen wir im Sommer nie rein“, erzählt Martin. Ein 40-Stunden-Job ist das also nicht, aber die Freude daran wiegt das alles auf. Und im Winter ist es auch mal etwas ruhiger. Wir – das sind übrigens Martin mit seiner Frau Michaela, seine Schwester Mathilde, seine Eltern, Großeltern und manchmal noch Praktikanten aus der Landwirtschaftsschule.

Im Gegensatz zu nicht wenigen anderen gehört es für Michael dazu, sein Wissen auch weiterzugeben. „Am Anfang meiner ‚Karriere’ wollte ich mit Gewalt etwas Neues schaffen, wollte der Beste sein. Mit fortschreitendem Alter sehe ich das gelassener. Die Landwirtschaft ist eine Kulturform, wie man dem englischen Begriff ‚Agri Culture’ entnehmen kann. Jetzt geht es mir auch darum, überliefertes Wissen weiterzugeben. Und es macht mich schon sehr stolz, wenn alle vier meiner Kinder landwirtschaftlich tätig sind.“ Diese Wissensweitergabe geht noch weiter,  bei Vorträgen, zu denen ihn die Landwirtschaftsschulen einladen, und reicht bis hin zum Kunden, mit dem er bzw. die ganze Familie gerne mal einen Plausch hält und Fragen zu besonderen Sorten oder über deren Anbauweise beantwortet. Und das ist letztlich auch eine Besonderheit: Der “Verkäufer” – der zufällig zugleich auch noch der Produzent ist – nimmt sich Zeit für einen Plausch mit seinen Kunden. Versuchen sie das einmal in der Gemüseabteilung im Supermarkt …

Die Steinalm – einst, jetzt und morgen

Verfasst von Mario Steidl | Tags: , , , , , , ,
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Das Stadtblatt hat in einem Lokalaugenschein mit Hüttenwirt Thomas Mayr und dem neuen Besitzer Manfred Hirschbichler gesprochen.

Die Steinalm

Landwirtschaftlich genutzt wird die Steinalm bereits seit mehreren Jahrhunderten, die erste urkundliche Erwähnung geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Bis 1964 im Besitz der Kirche, wurde sie damals von einer Agrargemeinschaft, bestehend aus elf Bauern und der Marktgemeinde Saalfelden, gekauft. Seit 2004 wird die Alm von Thomas Mayr und Monika Fürstaller aus Saalfelden bewirtschaftet. Die beiden fanden die Hütte in einem desolaten Zustand vor, sanierten das Almjuwel aber unter enormem persönlichen Einsatz. Einige Anlagenteile, wie zum Beispiel die Quellfassung, mussten einer Generalüberholung unterzogen werden. Auch innen wurde die Alm liebevoll gestaltet, vom Wirt selbst ein Kachelofen gesetzt, die Einrichtung neu und passend zur Hütte gestaltet. Eine eigene Photovoltaikanlage sorgt seither für Warmwasser und Strom. Die Materialkosten für den Umbau wurden von der Genossenschaft übernommen, die bis vor kurzem noch Eigentümerin der Alm war. Die Arbeitsstunden der Wirtsleute und einiger Mithelfer aus deren Freundeskreis könnte man als Liebhaberei bezeichnen.


Steinalmwirt Tom Mayr

Steinalmwirt Tom Mayr


Das Bild, das sich dem Besucher bietet, zeigt auf den ersten Blick, dass hier alles mit Liebe gestaltet wurde. Ein eigener Kräutergarten wurde angelegt, überall Blumen gepflanzt und zur Freude der Kinder laufen Ziegen, Hasen und Hühner innerhalb eines mittlerweile selten gewordenen Pinzgauer Zaunes herum. „Für mich war es wichtig, die Steinalm mit einem nachhaltigen Konzept auf zehn Jahre hin zu bewirtschaften und sie als natürlichen Erholungsraum zu erhalten.” Das heißt, dass ausschließlich hausgemachte Produkte mit Erzeugnissen aus der Region ihren Weg auf die Speisekarten finden. Mit selbst gebackenem Brot und verschiedensten Kuchen, Speck aus eigener Produktion und zahlreichen weiteren Erzeugnissen aus der eigenen Küche werden die Gäste verwöhnt. „Es ist gerade diese Einfachheit, die den Charme und die Seele der Steinalm ausmachen”, so der Wirt. Dazu gehört seiner Ansicht nach auch, dass die Steinalm als eine der letzten Almen nur zu Fuß erreichbar ist.

Woran viele natürlich nicht denken, ist der Umstand, dass es sich hier nicht einfach um ein Gasthaus handelt, dem alles geliefert wird. Jede Kleinigkeit muss mit der Seilbahn transportiert werden. Etwas zu vergessen gibt es nicht, denn man kann hier oben nicht am Supermarkt um die Ecke etwas nachkaufen. Und außergewöhnlich ist auch der Weg zur Arbeit. Denn ein täglich einstündiger Fußmarsch macht es nicht gerade leicht, Personal zu finden.

Thomas Mayr war auch der erste, der ein kulturelles Angebot auf der Steinalm schaffte. Von traditionellen Musikveranstaltungen bis hin zum Jazz bietet er den Besuchern im Sommer immer wieder einzelne Livedarbietungen von Musikern, Dauerbeschallung durch Radio oder CD hingegen wird man dort nicht finden.

Die Steinalm wurde vor kurzem von der Agrargemeinschaft an Manfred Hirschbichler verkauft. Wie sehen seine Pläne für die Steinalm aus? „Auch für mich ist die Steinalm ein kulturelles Kleinod, das unbedingt so erhalten bleiben muss, wie es ist”, so der Zimmerer aus Saalfelden. Gekauft habe er die Alm langfristig zwar für seine Tochter, die diese einmal bewirtschaften soll, vorerst ist es für ihn aber sinnvoll, wenn Thomas Mayr die Steinalm weiterführt, eventuell auch über seinen Vertrag, der noch über vier Jahre geht, hinaus. Langfristig denkt Hirschbichler auch daran, das kulturelle Angebot auf der Steinalm zu erweitern. Die zahlreichen Gerüchte, die sich um einen geplanten Forstweg auf die Steinalm ranken, kann und will Manfred Hischbichler nicht bestätigen. „Die österreichischen Bundesforste planen bereits seit längerem, ihren an die Alm angrenzenden Wald zu erschließen. Das steht allerdings noch alles in den Sternen und hat mit meinem Kauf der Steinalm nichts zu tun.”

Bilder: Mario Steidl