Archiv für die Kategorie ‘stadt:bildung’

Besuch in der Vogelsangschule

Verfasst von Bernhard Pfeffer | Tags: , , , , , , , , , ,
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Seit 2009 gibt es in Saalfelden eine private Gesamtschule der besonderen Art. Das Stadtblatt hat der Vogelsangschule, einer pädagogischen Einrichtung für selbstbestimmtes Lernen, einen Besuch abgestattet.

 

Flor Ariana (6 Jahre) - hier im Mathematik Unterricht - bestimmt ihr Lerntempo selbst.

Flor Ariana (6 Jahre) - hier im Mathematik Unterricht - bestimmt ihr Lerntempo selbst.


Für jemanden, der die straffen Strukturen einer staatlichen Hauptschule genossen hat, ist die Vogelsangschule wie eine andere Welt. Bin ich schon in der Schule oder noch in der Wohnung des Direktors? Es ist so ruhig. Die ersten Schüler queren meinen Weg. Nach und nach treffen weitere Kids ein. Eine Schulglocke gibt es genauso wenig wie Hausaufgaben, Schularbeiten und Zeugnisse. Die Stimmung ist gut, das zeigt auch das Barometer im Flur an. Alle wirken zielstrebig und beschäftigt, keine Spur vom Chaos, das sich ein Außenstehender beim ersten Besuch in einer „Alternativschule“ erwartet. Forscherkreis, Lernatelier, Schulparlament – nein, auch die Begriffe am Stundenplan erinnern nicht an die eigene Schulzeit. Direktor Erich Dümler hat nicht zu viel versprochen, die Vogelsangschule ist eine Privatschule der besonderen Art.

Das pädagogische Konzept

„Wir gehen sehr individuell auf unsere Schüler ein“, erklärt der Direktor. „In den Primaria-Stufen steht vor allem das Prinzip ‚Tun vor Begreifen‘ im Vordergrund. Die Kinder sollen Gesetzmäßigkeiten durch das Tun begreifen und nicht durch den Kopf analysieren. Das führt auch zur besseren Wahrnehmung der Sinne. Unser pädagogisches Konzept basiert auf den Erkenntnissen von Maria Montessori und weiteren Reformpädagogen. Wir sind aber weder eine Montessori- noch eine Waldorfschule. Wichtig ist, dass die Kinder das Lerntempo selbst bestimmen und sich entsprechend ihren Talenten entwickeln. Das erleichtert dann auch die Berufs- oder Schulwahl nach der Pflichtschulzeit.“

Ausführliche Informationen

erhalten Sie am 21. November 2011, 20 Uhr, bei einem öffentlichen Infoabend in der Schule.

Daten und Fakten

  • Der Name “Vogelsang” stammt vom ersten Domizil der Schule, dem “Vogelsanghof” in Leogang
  • Privatschule mit Statut für den Pflichtschulbereich (6 bis 15 J.)
  • Lerngruppen: Primaria I (6 – 9 J.), Primaria II (9 – 12 J.), Sekundaria (ab 13 J.)
  • Derzeit: 2 Lernbegleiter, 14 Schüler
  • Schulgebühren/Monat: 250 Euro
  • Trägerverein: Verein Libelle, Obmann Erich Dümler, Tel. 06582/713 04
  • Standort: Bahnhofstraße 17 (Einfahrt Wiechenthalerweg)
  • Mehr Infos: www.vogelsangschule.at


Text/Bild: Bernhard Pfeffer

Bildungschancen werden vererbt

Verfasst von Bernhard Pfeffer | Tags: , , , , , , , ,
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Aktuellen Studien zufolge orientiert sich der Bildungsweg von Kindern sehr stark an der Ausbildung der Eltern. Ein Grund dafür ist das frühe Alter, in dem die Weichen gestellt werden müssen.

Kinder von Eltern mit akademischem Abschluss besuchen zu 75 Prozent ein Gymnasium.

Kinder von Eltern mit akademischem Abschluss besuchen zu 75 Prozent ein Gymnasium.


Österreichweit und darüber hinaus auch im restlichen deutschsprachigen Raum hat die Ausbildung der Eltern einen entscheidenden Einfluss auf den Bildungsweg der Kinder. In den vergangenen Jahren wurde in mehreren Studien für Österreich untersucht, welche Kriterien bei der Wahl des Schul- und Ausbildungsweges von Kindern entscheidend sind. Schaut man beispielsweise auf die Gruppe der heute 12-jährigen Kinder, so lässt sich feststellen, dass drei Viertel von jenen, deren Eltern einen Universitäts- oder vergleichbaren Abschluss haben, ein Gymnasium besuchen und nur etwas mehr als 20 Prozent von ihnen eine Hauptschule. Haben die Eltern hingegen einen Lehrabschluss, so besuchen deren Kinder zu drei Vierteln die Hauptschule (also im Verhältnis genau umgekehrt).

Schaut man auf die Gruppe der 16-Jährigen, so sind 80 Prozent jener, deren Eltern eine höhere Schule besucht haben, mit diesem Alter auch noch in einer Schulausbildung. Die Kinder der Eltern ohne weiterführende Schule befinden sich demgegenüber nur mehr zu 30 Prozent in schulischer Ausbildung.

Was sagen diese Zahlen? Sie sagen nichts über die Qualität der Schulbildung aus, nein. Sie zeigen uns aber deutlich, dass die Auswahl der Schule nicht vor dem Hintergrund des Könnens und der Fähigkeiten der Kinder erfolgt! Wie viele quälen sich bis zur Matura, durch die Schule getragen mit Hilfe eines nicht unerheblichen finanziellen Aufwandes der Eltern? Es ist vielmehr anzunehmen, dass viele unserer heutigen Kinder und Jugendlichen nicht in den für sie passenden Schulen sitzen, weder in den einen noch in den anderen!

Die Eltern und ihr (Aus-)Bildungsweg sowie ihre Erfahrungen mit Schule entscheiden zu einem großen Teil über den Weg, den die Kinder in Sachen Bildung und Ausbildung einschlagen. Verstärkt wird dies zusätzlich durch den Umstand, dass die Entscheidung darüber, welche die richtige Schullaufbahn ist, mit 10 Jahren zu einem sehr frühen Zeitpunkt fallen muss. Nicht alle Talente sind ausgebildet, manche groß erscheinenden Interessen verflachen im Verlauf der beginnenden Pubertät.

„Das gesamte Umfeld, die beruflichen Vorbilder, die die Kinder erleben und kennen lernen, haben ebenfalls einen großen Einfluss auf die Schulentscheidung. Wenn ich Berufe und Arbeitsfelder gar nicht kenne, kann ich sie auch nicht als Möglichkeiten für mich erkennen“, ergänzt Maria Neumayr von der Bildungsberatung Biber. „Viele staunen in der Beratung, wenn wir auf Berufsfelder zu sprechen kommen, die ihnen auch offen stehen würden.“

Will man die Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen optimaler gestalten, müssen die Entscheidungen zu einem späteren Zeitpunkt und auf Basis anderer und vielfältigerer Grundlagen erfolgen!

Autorin: Sabine Aschauer-Smolik
Foto: fotolia.com

Neue Mittelschule in Saalfelden

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Chancengleichheit, Mittlere Reife, Ganztagesbetreuung – diese und ähnliche Schlagworte geistern in Zusammenhang mit der Einführung der Neuen Mittelschule durch die Medien. Wir haben mit zwei Direktoren in Saalfelden gesprochen und uns ein Bild von der momentanen Stimmung gemacht. 


Das Konzept „Neue Mittelschule”
 

  • Individualisierung (Eingehen auf einzelne Schüler) und Differenzierung (Förderung unterschiedlicher Fähigkeiten) durch flexible Kleingruppen und fächerübergreifende, offene Lernformen
  • Ganztagesbetreuung
  • Hohes Augenmerk auf Sport, Kreativität, Integration
  • Motivierte LehrerInnen als Erfolgsgarant, entsprechende Vorbereitung auf neue Unterrichtsform, besondere Bedeutung für Aus- und Weiterbildung
  • Vollständige Umstellung aller Hauptschulen österreichweit bis 2016
  • Gymnasien bleiben parallel bestehen.

  

Josef Stritzinger, Direktor HIB Saalfelden 

Dir. Josef Stritzinger

Dir. Josef Stritzinger

Das Konzept der Neuen Mittelschule ist zum Großteil auf die Bedürfnisse von Wien, wo die Hauptschule nur noch eine Restschule ist, zugeschnitten. Am Land haben die Hauptschulen einen sehr hohen Standard, die Umstellung auf die Neue Mittelschule ist im Grunde ein politisch eingefärbter Etikettenschwindel. Es wäre sinnvoller gewesen, den Schulen mehr Autonomie zu geben und die finanziellen Mittel den Schulen direkt zu schwerpunktmäßiger Förderung am Standort zur Verfügung zu stellen. Dennoch wäre die baldige Einführung der Neuen Mittelschule in Saalfelden wünschenswert, um den ungebrochen hohen Andrang an der HIB etwas zu entlasten. 

Die Einführung einer Ganztagesschule ist unbedingt anzustreben, Kinder können nicht sechs Stunden durchgehend konzentriert lernen. Leider muss sich zur Zeit der Stundenplan nach den Fahrplänen von ÖBB und Post und nicht nach den Bedürfnissen der Pädagogik richten. 

Die Einführung von Bildungsstandards oder einer Mittleren Reife (Prüfung in der achten Schulstufe, Anm. d. Red.) ist sinnvoll, um Kindern und Eltern die Entscheidung für den weiteren Weg zu erleichtern. 

 

Leo Höck, Direktor Hauptschule Markt

Dir. Leo Höck

Dir. Leo Höck

Mit der Einführung der Neuen Mittelschule werden sich Qualität von Lernen und Lehren verändern. Unter der Voraussetzung, dass die Lehrer der drei Hauptfächer (Deutsch, Englisch, Mathematik) gut zusammenarbeiten, ist eine gute, individuelle Förderung der Schüler möglich. An der Hauptschule Markt werden seit dem heurigen Schuljahr zwei Schulstufen nach dem Konzept der Neuen Mittelschule, d. h. kleinere Klassen und Wegfallen der Leistungsgruppen, geführt. Die Erfahrungen bisher sind sehr positiv, sowohl die schulischen Leistungen als auch das soziale Verhalten der Kinder haben sich verbessert. 

Die Umstellung auf die Ganztagesschule ist ein Muss, nur so kann die bestmögliche Förderung aller Kinder gewährleistet werden. An der Hauptschule Markt kann man dabei auf Erfahrungswerte aus der Schihauptschule zurückgreifen. Die Einführung der Mittleren Reife darf nicht als Zusatzhürde für die Kinder gesehen werden, sondern als Aufwertung des Abschlusszeugnisses der Hauptschule. Die Aufgabengebiete für die Lehrer werden sich ändern, gute Zusammenarbeit innerhalb des Lehrkörpers und verstärkte Weiterbildung sind Grundvoraussetzungen für das Funktionieren neuer Schulformen. 

Autorin/Bilder: Barbara Buchsbaum/SMC

Die Rolle der Muttersprache

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Immer wieder hören wir – auch in Saalfelden – Migranteneltern sollen mit den Kindern zuhause Deutsch sprechen. Aber ist das förderlich für die kindliche Entwicklung?

Bei uns herrscht die weit verbreitete Alltags-auffassung, dass das Erlernen der eigenen Muttersprache die Kinder daran hindern würde, Deutsch zu lernen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Die Bedeutung der Muttersprache geht weit über ihre Rolle als Mittel zur Kommunikation zwischen Menschen hinaus. Sie hat eine zentrale Bedeutung in der Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes und kann daher nicht einfach durch eine andere Sprache ersetzt werden.

Das Erlernen der Sprache der Familie macht es uns möglich, die uns umgebende Welt zu erfassen und zu verstehen. Sie befähigt uns, über das was wir sehen und erleben, zu sprechen, es zu beschreiben. Sie ist somit auch verantwortlich für die Entwicklung unseres Denkens. Vollkommen unverzichtbar ist sie zur Mitteilung von Gefühlen, eine Fertigkeit, die wir für unser Gleichgewicht und unser Wohlbefinden benötigen. Emotionale Vertrautheit und Intimität ist nur in der Muttersprache möglich.

Ein umfassender Wortschatz und komplexe Grammatikstrukturen in der Erstsprache sind zudem die notwendige Voraussetzung für das Erlernen einer Zweitsprache. Wer die eigene Muttersprache nur auf einem einfachen, nicht schriftlichen Niveau beherrscht oder gar nur im Dialekt, der überträgt diese schwache sprachliche Basis auch auf die Zweitsprache. Das führt dazu, dass Menschen überhaupt keine Sprache ausreichend nutzen können, um sich umfassend mitzuteilen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Die Muttersprache ist die nötige Basis für das Erlernen einer anderen Sprache

Die Muttersprache ist die nötige Basis für das Erlernen einer anderen Sprache

Die Sprache der Eltern verankert jeden Menschen auch in seiner Kultur. In der Sprache zeigen sich die kulturellen Fähigkeiten, Fertigkeiten, Wertvorstellungen und Lebensweisen. Nur, wenn ich in meiner ursprünglichen Kultur verankert bin, kann ich mit einer anderen Kultur in Austausch treten und mich integrieren.

Wir sind weit davon entfernt, dass auch andere Muttersprachen außer Deutsch Teil des Schulunterrichts sind. Umso wichtiger ist es, Eltern mit Migrationshintergrund immer wieder dahingehend zu ermutigen, mit ihren Kindern ihre Muttersprache zu pflegen, damit diese ihre Persönlichkeit entfalten können. Das ist eine Voraussetzung für ein interkulturelles Miteinander, das diese Bezeichnung auch verdient.

Autorin: Sabine Aschauer-Smolik
Quellen: http://t-ig.org, Kalpaka, Annitag – (Erst-)Sprache – Muttersprache – Zweisprachigkeit, http://www.migration-boell.de
Bild: Karl Rittberger

Volksschüler zu Besuch im Rathaus

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In der dritten Klasse besuchen die Schüler der Volksschule Saalfelden Bahnhof das Rathaus, um etwas über die Gemeinde und ihre Aufgaben zu erfahren. Aber auch um den Bürgermeister Fragen über seine Arbeit zu stellen.

Schüler der 3. Klasse Volksschule Bahnhof

Eine immer wieder gern gestellte Frage an den Ortschef: “Gefällt dir deine Arbeit?”. Darauf kommt prompt: “Ja, natürlich gefällt mir meine Arbeit. Sonst würde ich etwas anderes machen”. Der Bürgermeister wird auch regelmäßig gefragt, was ihm an “seiner” Stadt nicht gefällt. Darauf die Antwort: “Die Verkehrssituation in unserer Gemeinde macht mir Sorgen. Außerdem gefällt es mir gar nicht, wenn ich von Schäden höre, die durch Vandalismus entstanden sind”. Die Schüler sind wissbegierig. Wie viele Personen arbeiten bei der Stadtgemeinde, werden neue Kinderspielplätze gebaut und wie oft finden Gemeindevertretungssitzungen statt – eine halbe Stunde nimmt das Frage-Antwort-Spiel in Anspruch. Danach folgt eine Führung durch das Rathaus. Im Meldeamt wird kontrolliert, ob die Schüler ordnungsgemäß gemeldet sind, in der Finanzabteilung erfragen die Kinder, wie viel Geld jährlich für ihre Schule ausgegeben wird und im Bauamt gibt es ein großes Aufatmen, wenn der Bauamtsleiter verkündet, dass für die Errichtung einer Baumhütte keine Baubewilligung notwendig ist.


Besuch der 3. Klasse Volksschule Bahnhof im Rathaus
Wir freuen uns immer, wenn Kinder zu uns ins Rathaus kommen und sich für die eigene Gemeinde interessieren. Es werden überwiegend kluge Fragen gestellt bzw. ist das Vorwissen über Saalfelden bereits sehr umfangreich. Also, Pisa-Studie hin oder her, über den eigenen Ort wissen die Kids bereits sehr gut Bescheid.