Archiv für die Kategorie ‘stadt:gesellschaft’

Wie wird der Winter?

Verfasst von Mario Steidl | Tags: , , , , ,
Abgelegt unter stadt:gesellschaft | Kommentare Keine Kommentare

Seit 40 Jahren beschäftigt sich Horst Nöbl mit dem Wetter in Saalfelden. Der pensionierte Wasserbautechniker erstellt jährlich eine Winterprognose und liegt damit erstaunlicherweise bis zu über 90% richtig. 

Horst Nöbl zeigt an, wie hoch die Schneedecke heuer werden kann.

Horst Nöbl prognostiziert einen schneereichen Winter.


Wetterprognosen für den Winter zu erstellen geschieht mittels mehrerer Parameter. Eine sehr ausgeprägte Vegetation im Sommer deutet auf viel Schnee, der frühe Abzug der Zugvögel auf einen frühen Wintereinbruch hin. Eine geringe Propolisabdichtung der Bienen (Abdichtung der Bienenstöcke) deutet hingegen auf einen nicht allzu kalten Winter hin. Mit solchen Beobachtungen allein begnügt sich der Obmann der Saalfeldner Imker natürlich nicht, denn der wichtigste Indikator ist der Rhythmus des Wetters. Seit 40 Jahren zeichnet Horst Nöbl täglich Sonnendauer, Temperatur, Luftdruck, Bewölkungsgrad und Niederschlagsmenge auf. „Temperatur und Niederschlagsmenge folgen einem sehr ausgeprägten Rhythmus – sie wiederholen sich in einem Zeitabstand von etwa sieben Monaten. War es also im Mai eher kalt und regnerisch wie heuer, lässt sich daraus schließen, dass dies auch im Dezember so sein wird“, so Horst Nöbl. Und noch ein natürlicher Rhythmus lässt sich deutlich erkennen: Bis auf wenige Ausnahmen folgen auf drei schneearme immer drei schneereiche Winter, und ein solcher dürfte uns heuer bevorstehen.

Zusammengenommen bilden diese Perioden gemeinsam mit den Durchschnittswerten jahrzehntelanger Wetterbeobachtungen die konkreten Vorhersagen. Für die Details seiner Prognosen sucht sich Nöbl immer noch ein Vergleichsjahr, das seiner Prognose am nächsten kommt. Für heuer wäre das 1968. Für Dezember hat sich die Prognose des Wetterbeobachters mit dem frühen Wintereinbruch bereits erfüllt. Für den gesamten Februar prognostiziert er ebenfalls eine winterliche Phase. Dafür dürfte es im März bereits sehr warm werden, im April aber noch einmal ein Kälteeinbruch wahrscheinlich sein. 

Auf Bauernregeln hält Horst Nöbl einiges, resultieren sie doch ebenfalls aus beobachteten Regelmäßigkeiten oder Folgeerscheinungen. Ereignisse wie die Eismänner, die Schafskälte oder das Weihnachtstauwetter, das sich heuer etwas verspäten dürfte, sind hingegen sogenannte Singularitäten, die jedes Jahr vorkommen, wenn auch nicht genau zu einem Datum. Aber auch sie basieren auf Rhythmus und Perioden in der Natur. All diese Parameter ergeben dann zusammengenommen einen Durchschnittswert, der für November bis Jänner zu 90%, im Frühjahr zu 80% zutrifft. Und recht viel genauer schafft es Christa Kummer kaum mit der Drei-Tages-Vorschau.


Bild: Mario Steidl

Leben zwischen zwei Kulturen

Verfasst von Elisabeth Voithofer | Tags: , , , , , , , ,
Abgelegt unter stadt:gesellschaft | Kommentare Keine Kommentare

An einem wunderschönen Herbsttag im Oktober treffe ich die 19-jährige Saalfeldnerin Züleyha im türkischen Kulturzentrum von Saalfelden, um die Probleme türkischer Jugendlicher zwischen zwei Kulturen in den Mittelpunkt zu rücken.

Kurz nach der Ortstafel Saalfelden Richtung Zell am See befindet sich ein unscheinbares, älteres Haus mit einem kleinen Minarett und darin befindet sich der Türkische Kulturverein, der seit einigen Jahren Muslimen unserer Region als Treffpunkt dient. Dort treffe ich Züleyha, die beim Kulturverein die Mädchen-Vorsitzende ist. Ich möchte einen Einblick in das Leben türkischer Jugendlicher gewinnen. Sie bittet mich in die Wohnung des Vorbeters (Imam), damit wir uns ungestört unterhalten können. Wir nehmen in der Küche Platz und die Frau des Vorbeters serviert uns einen Kaffee mit einer Süßspeise, die eigentlich eine typisch österreichische ist, „Mohr im Hemd“.

Züleyha will mit Vorurteilen aufräumen.

Züleyha will mit Vorurteilen aufräumen.


„Ich bin mittendrin“
Meine erste Frage, die ich stelle, ist, ob sie sich als Österreicherin oder eher als Türkin fühlt. Züleyha überlegt nicht lange und erklärt, „Ich bin in Österreich geboren und aufgewachsen. Vom Auftreten her bin ich mittendrin. Ich kann nicht sagen, wo ich genau bin, denn hier ist man automatisch die Ausländerin, wenn man einen ausländischen Namen hat. Manche reden mit mir ‚Türkischdeutsch‘ bis sie merken, dass ich eigentlich Deutsch kann. Und in der Türkei bin ich automatisch die Europäerin, eine Österreicherin, denn Saalfelden ist meine Heimat.“

Die Probleme
„Ein großes Problem sind die Vorurteile. Eine Frage, die ich immer wieder höre, ist: Musst du deinen Cousin heiraten? Noch so typische Fragen sind: Wann musst du ein Kopftuch tragen? Wirst du umgebracht, wenn du das und das machst?“ Anstatt in Rage zu geraten, hat Züleyha ihre Deutschreferate immer wieder zur Aufklärung von Vorurteilen genutzt und über das Thema „Islam“ referiert. Die Quelle für das Auftreten dieser Vorurteile sieht sie in der verzerrten Berichterstattung der Medien.

Integriert ja, aber…
In Saalfelden fühlt sich Züleyha gut integriert. Sie hat sowohl österreichische als auch türkische Freunde. Rassistische Äußerungen gibt es zwar immer wieder, jedoch nicht in dem Ausmaß wie in kleinen Ortschaften. Während ihrer Zeit in der Krankenpflegeschule in Schwarzach stieß sie an ihre persönlichen Grenzen, obwohl sie ein selbstbewusstes, schlagfertiges Mädchen ist. In ihrer Klasse warfen ihr zwei ältere Mitschüler vor, dass sie, obwohl sie wohlgemerkt 19 Jahre alt ist und in Österreich geboren wurde, österreichischen Jugendlichen den Ausbildungsplatz wegnehme. Ständig verwickelten sie die junge Frau in Diskussionen, wie „Warum soll in der Klasse kein Kreuz hängen?“. Den größten Rückschlag erlitt sie während ihres Praktikums, als sie einen Patienten schon über 1 1/2 Wochen betreute. Als sie eines Tages ihr Namensschild trug und der Patient ihren ausländischen Namen sah, wollte sich dieser nicht mehr von ihr pflegen lassen.

Berufsaussichten
Auf meine Frage, ob es für türkische Jugendliche schwieriger sei einen Job zu finden, antwortet sie verblüffend nüchtern, „Schwieriger ist es für türkische Jugendliche in dem Sinne, da sich viele zu wenig mit der Schule auseinandersetzen und für sie Schulnoten oftmals bedeutungslos sind. Meinen Bruder versuche ich gerade zu überzeugen, dass er ein gutes Abschlusszeugnis braucht, um einen guten Lehrplatz zu erhalten. Es ist aber auch ein Umdenken, besonders bei Mädchen, zu beobachten. Wenn ein Jugendlicher in der Clique den Absprung schafft und sagt, dass er die Matura macht und dann studieren gehen möchte, dann trauen sich auch die anderen.“

Während unseres Gespräches überrascht sie mich immer wieder mit interessanten Ansichten und kritischem, weitsichtigem Denken, das man so gar nicht von einer 19-jährigen Jugendlichen erwartet. Für die Zukunft wünscht sich Züleyha, dass sich Jugendliche mit Migrationshintergrund noch besser in unsere Gesellschaft integrieren können und nicht aufgrund ihres Aussehens, ihres Namens oder ihres Glaubensbekenntnisses diskriminiert werden.

Autorin/Bild: Elisabeth Voithofer

Fortgehen in der “guten alten Zeit”

Verfasst von Bernhard Pfeffer | Tags: , , , , , , , ,
Abgelegt unter stadt:gesellschaft | Kommentare Keine Kommentare

Gleich nach dem 2. Weltkrieg war man bemüht, das gesellschaftliche Leben in Saalfelden wieder zu beleben – man wollte Abwechslung und Vergnügung. „Fortgehen“ beschränkte sich zum Großteil auf das Wochenende. Es war etwas Besonderes – darum musste auch die Kleidung stimmen: Sakko und Krawatte. Der Andrang bei den Tanzveranstaltungen war teilweise so groß, dass zum Beispiel im Ballsaal des Hotel Alte Post (heute steht an dieser Stelle die Raika) die Tänzer in zwei Gruppen geteilt wurden – sie wurden durch unterschiedlich gefärbte Bänder am Oberarm gekennzeichnet und durften nur abwechselnd tanzen. Und Tanzen stand ganz klar im Vordergrund des „Fortgehens“. Die Auswahl der Lokale hing sehr stark mit der musikalischen Darbietung in den einzelnen Gaststätten zusammen: Livemusik – zumeist 3- bis 4-Mann-Kapellen – gab es im Café Rindler, beim Gasthof Blattl und im Café Moser. In der Piccolo Bar spielte der Herr Haydn am Klavier.

Das 1951 gegründete Café Moser an der Kreuzung Zeller Bundesstraße – Zellerstraße wurde 1960 um ein Tanzcafé für 80 Personen erweitert. Von Mittwoch bis Samstag wurde jeden Abend von 20 bis 1 Uhr Livemusik gespielt. Eine der Musikgruppen, die im Café für Unterhaltung sorgten, waren die Flamingos (Willi Manz, Toni Hölzl, Dieter Salzmann, Hans Hölzl). Eine Besonderheit im Café Moser war der Fünf-Uhr-Tee. Hier hatte besonders die Jugend die Möglichkeit, sich jeden Sonntag von 17 bis 22 Uhr zu treffen und zu tanzen. Im Café Moser und im Gasthof Ritzen, der sich früher im Schloss Ritzen befand, wurden die ersten Musikboxen in den 50er Jahren aufgestellt. Sie verdrängten Schritt für Schritt die Livemusiker. Das Café Moser beherbergte auch die erste Saalfeldner Disco (von 1968 – 1975). Discjockey war der Chef persönlich, der dem Besuchergeschmack entsprechend Platten auflegte.

Stammgäste in der Pinzgauer Stuben

Stammgäste in der Pinzgauer Stuben


Neben den „normalen“ Tanzveranstaltungen boten eine Vielzahl von Bällen Abwechslung. Legendär ist in diesem Zusammenhang der alte Saal im Hindenburg, in dem eine Unzahl von Bällen veranstaltet wurde: Silvesterball, Veteranenball, Bergsteigerball, Schützenball, Feuerwehrball, Bälle der Musikkapellen. Kleinere Bälle wurden auch in anderen Wirtshäusern veranstaltet, wie zum Beispiel ein Pyjamaball im Hüttenwirt. Der Kapellenwirt in Lenzing nahm dank seines großen Saales eine sehr wichtige Rolle ein. Hier fanden sehr viele Hochzeiten statt. Legendär waren auch die von der Jugendzeitschrift „Bravo“ organisierten Konzerte im Ballsaal des Kapellenwirt. Im Jänner 1967 trat dort die legendäre Spencer Davis Group auf. Der Welthit „Keep on running“ wurde live im Kapellenwirt aufgeführt.

In den frühen 70ern war in vielen Fällen das „Fortgehen“ nicht mehr nur auf das Wochenende beschränkt. So mancher Wochentag entwickelte sich zum Stammtag einiger Gäste. Die Spieler des ESV saßen nach dem Training zeitweilig länger als gedacht im Gasthaus Kofler, in späteren Jahren in den Lokalen von Roland Chytra (Pinzgauer Stuben und Floriani). Die Spieler des Sportclubs hingegen im Gasthaus zum Hirschen. Vielfach wurde die Wahl des Lokals auch von der dort gespielten Musik bestimmt. Rock war aus vielen Boxen der Lokale dieser Zeit zu hören. Ein weiterer versteckter Hotspot war die Bar im Klampfererhof – als Treffpunkt der Skilehrer und Schüler nach einem Schitag.

Eine spezielle Position nahm die Ranch ein: Aus einer „Reiterbar“ wurde jeden Donnerstag eine Jazzbar, die so erfolgreich war, dass das Jazzangebot ausgebaut wurde und die Ranch sich in Folge als fixer Club (Jazz im Stall) und Spielort des Jazzfestivals Saalfelden (3Tage Jazz) etablierte.

Autorin: Andrea Dillinger

Bild: Roland Chytra sen.

Jugend im Dienst der Kirche

Verfasst von Doris Echtinger | Tags: , , , , , ,
Abgelegt unter stadt:gesellschaft, stadt:jugend | Kommentare Keine Kommentare

Formell können alle Kinder und Jugendliche, die getauft sind und die Erstkommunion gefeiert haben, als Ministranten in der Kirche tätig sein. Bei Messen, Begräbnissen und Hochzeiten begleiten sie den Priester und assistieren beim Vorbereiten der Kommunion oder Sammeln von Opfergaben. Für den Saalfeldner Dechant Roland Rasser zählen bei seinen jungen Assistenten nicht nur die formellen Zulassungsgründe. “Die Ministranten müssen sich darüber bewusst sein, dass es eine ernsthafte Aufgabe ist, die Heilige Messe mitzugestalten. Vor allem auf Verlässlichkeit legen wir sehr viel wert”. Die Abläufe bei den Messen werden im Rahmen der Ministrantenstunden genau geübt. Alle zwei Wochen treffen sich die Messdiener zum “Training”. Dabei kommt auch der lustige Teil nicht zur kurz. Kooperator Thomas Bergner baut Spiele und Ausflüge in die Ausbildungseinheiten mit ein. Für ihre Dienste werden die Ministranten entlohnt. Pro Messe erhalten sie 0,30 Euro, für ein Begräbnis gibt es 3 Euro. Besonders begehrt sind Hochzeiten, hier dürfen sich die jungen Helfer im Regelfall über eine großzügige Belohnung von der Trauungsfamilie freuen.

Zwischen 40 und 50 Ministrantinnen und Ministranten sind in der Pfarre Saalfelden tätig.

Zwischen 40 und 50 Ministrantinnen und Ministranten sind in der Pfarre Saalfelden tätig.


Beim Ministrieren kommen Kinder und Jugendliche der verschiedensten Entwicklungsstufen zusammen. Die 17-jährige Patricia steht gemeinsam mit der 9-jährigen Anna vor dem Altar. “Mir gefällt das Gemeinschaftsgefühl. Wir haben sehr viel Spaß gemeinsam”, so Patricia. Nur zum Spaß geht sie aber nicht jeden Sonntag in die Kirche. Sie ist Ministrantin, weil Gott im Leben der Teenagerin eine wichtige Rolle spielt. Auch die 15-jährige Esther übt den Dienst in der Kirche aus Überzeugung aus. Sie war bereits einmal ausgestiegen aus dem Kreis der Ministranten. Bei einem kirchlichen Kongress entdeckte sie dann die “Lebendige Kirche”. “Damit meine ich, dass heute vermehrt moderne Lieder gesungen und gespielt werden. Daher habe ich wieder angefangen.” Der 9-jährige Simon ist seit zwei Jahren Ministrant. Für ihn steht vor allem das gemeinsame Spielen und Basteln im Vordergrund.

Die Pfarre Saalfelden hat seit einigen Jahren nicht gerade ein Überangebot an Ministranten. “In den 80er und 90er Jahren hatten wir alleine in der Pfarrkirche an die 100 Ministranten. Heute sind es zwischen 40 bis 50 in allen Saalfeldner Kirchen”, blickt Dechant Rasser zurück auf bessere Zeiten. Der Geistliche führt den Rückgang auf ein immer größer werdendes Freizeitangebot zurück. “Vor allem das Zeitalter der Computer und des Internets hat zu einem merkbaren Rückgang beigetragen”. Auch die Ministranten haben eine Meinung darüber, warum viele Gleichaltrige kein Interesse am Dienst in der Kirche haben. Patricia ist der Ansicht, dass der schlechte Ruf der Kirche am Rückgang bei den Ministranten Schuld haben könnte. Ihre Kollegin Esther weist darauf hin, dass es sehr viele Vereine gibt, wo Kinder und Jugendliche am Wochenende eingespannt sind. Anna und Theresa führen die dünne Personaldecke bei den Ministranten darauf zurück, dass viele glauben, dass Ministrieren langweilig sei.

Die Saalfeldner Pfarre steuert dem Abwärtstrend bei den Ministranten entgegen. “Wir gehen in die Schulen und stellen dort die Tätigkeit der Ministranten vor. Auch mit Plakatwerbung sprechen wir Kinder und Jugendliche an”, erklärt Kooperator Thomas Bergner. Die finanzielle Entlohnung der Ministranten ist keine Maßnahme, um mehr Jugendliche für die Tätigkeit zu begeistern, fügt er hinzu. Die gab`s auch schon, als noch mehr Messdiener in die Kirche kamen. “Kinder und Jugendliche, die sich für die Tätigkeit der Ministranten interessieren, können sich jederzeit in der Pfarre Saalfelden oder bei ihrem Religionslehrer in der Schule melden. Natürlich ist auch ein ‘Schnuppern’ möglich”, lädt Dechant Roland Rasser ein.

Bild: Bernhard Pfeffer

Üben für den Ernstfall – Großübung der Einsatzkräfte

Verfasst von Elisabeth Voithofer | Tags: , , , , ,
Abgelegt unter stadt:gesellschaft | Kommentare Keine Kommentare

Schnell die Lage eines Ernstfalles zu überblicken, wer benötigt welche Hilfe und die Verletzten schnell zu versorgen, das wurde bei der Großübung trainiert.

Am Samstag, den 24. Juli 2010, wurden die Feuerwehr Saalfelden sowie das Rote Kreuz Pinzgau zu einem Gefahrengutunfall am Bahnhof Saalfelden mit vorerst unbekannter Verletztenzahl alarmiert. Die Echtheit der Situation war beeindruckend. Das Szenario: Ein Oberleitungsturmwagen kollidiert mit einer Wagengruppe, in der sich beladene Waggons mit Gefahrengut befinden. 20 Menschen werden dabei zum Teil schwerst verletzt.

Nachdem der Fahrdienstleiter des Bahnhofes über die Rufnummer 122 den Notfall meldet, treffen binnen Minuten die ersten Einsatzkräfte der Feuerwehr sowie des Roten Kreuzes bei strömendem Regen am Unfallort ein und finden ein Trümmerfeld mit beschädigten Gefahrengutwaggons und mit zum Teil schwer verletzten Personen, die zuvor täuschend echt geschminkt wurden und ihre Opferrolle unglaublich realistisch spielen, vor. Während die Feuerwehr mit der Versorgung der Verletzten und dem Stoppen auslaufender gefährlicher Stoffe beschäftigt ist, werden nach einem ersten Lagebericht weitere Rettungskräfte aus Zell am See und Saalbach nachgeordert. Es werden eine Sanitätshilfsstelle mittels Zelten errichtetet, um die „Verletzten“ im Zelt weiterversorgen zu können, bevor sie mit den insgesamt acht Einsatzfahrzeugen abtransportiert werden. Nach gut einer Stunde sind alle Verletzten versorgt und die Gefahr an austretenden Giftstoffen beseitigt.

Rund 160 Personen inklusive Darstellern des Roten Kreuzes nahmen am gut einstündigen Einsatz teil. Sowohl das Rote Kreuz als auch die Feuerwehr Saalfelden konnten bei dieser Übung wertvolle Erfahrungen für Realeinsätze gewinnen.

Text/Bilder: Elisabeth Voithofer

Nichtraucherschutz made in Austria

Verfasst von Mario Steidl | Tags: , , , , , , , ,
Abgelegt unter stadt:gesellschaft, stadt:wirtschaft | Kommentare 1 Kommentar

Seit 1. Juli gilt in der Gastronomie das Tabakgesetz, das den Schutz von Nichtrauchern vorsieht. Wie sieht es bei den Saalfeldner Gastronomen mit der Umsetzung aus? Eine Bestandsaufnahme.

Theorie …

Hintergrund des Tabak- und somit Nichtraucherschutzgesetzes ist der Umstand, dass auch das Einatmen von „Nebenstromrauch“, wie es der Gesetzgeber nennt, also das Passivrauchen, gesundheitsschädlich ist. Und davor sollen die Menschen, vor allem die Nichtraucher und das Personal in Betrieben, geschützt werden. Nun wäre das Ganze natürlich kein österreichisches Gesetz, wenn es dazu nicht auch eine österreichische Lösung in Form von Ausnahmeregelungen gäbe. Denn wenn es sich bei den Gastronomieräumen um nur einen Raum handelt und dieser kleiner als 50 m² ist, kann der Betreiber selbst entscheiden, ob dieser Raum ein Raucher- oder Nichtraucherraum ist. Die gleiche Regelung gilt für gastronomische Betriebe mit nur einem Gastraum, der eine Grundfläche zwischen 50 und 80 m² hat und wo eine Raumteilung zur Schaffung eines Raucherzimmers aus baulichen, feuerpolizeilichen oder denkmalschutzrechtlichen Gründen nicht zulässig ist. In Ein-Gastraum-Lokalen mit einem Gastraum größer als 80 m² gilt grundsätzlich Rauchverbot. In kleinen Räumen, in denen es also noch mehr raucht als in großen, müssen die Nichtraucher oder das Personal nicht vor dem „Nebenstromrauch“ geschützt werden. Klingt komisch, ist aber so.

Wenn ein Lokalinhaber die neue Regelung nicht einhält, muss er mit Sanktionen rechnen. Denn wenn man gegen ein Gesetz verstößt, wie etwa bei zu schnellem Fahren, wird man bestraft. Im Falle des Tabakgesetzes sowohl Wirt als auch Gast mit Strafen bis zu € 10.000 bzw. € 1.000. Nun wären wir aber nicht in Österreich, gäbe es nicht auch einen Graubereich hinsichtlich der Zuständigkeit: Denn der Gesetzgeber hat der Polizei keine Mitwirkungspflicht gegeben, um das Gesetz zu exekutieren, sprich in Lokalen zu kontrollieren. Somit wäre eigentlich – im Fall von Saalfelden – die BH Zell am See für die Kontrolle zuständig. Diese hat aber wiederum nicht genügend Personal dafür. Klingt noch komischer, ist aber trotzdem so.

Nach wie vor blauer Dunst in vielen Lokalen - der Gesetzgeber macht`s möglich.

Nach wie vor blauer Dunst in vielen Lokalen - der Gesetzgeber macht`s möglich.


… und Praxis

Wie sieht die Situation aber nun in Saalfelden aus? An der Umsetzung mangelt es kaum, nahezu alle Gastronomen der Restaurants haben eigene Raucher- sowie Nichtraucherräume. Einzelne kleinere Restaurants bitten ihre Gäste, erst nach dem Essen oder etwa erst ab 21 Uhr zu rauchen. In einigen Betrieben hat man bereits seit längerer Zeit auf Nichtraucher umgestellt und ist sehr zufrieden damit, sowohl seitens der Gäste als auch der Wirte. Gerade in der Speisengastronomie weiß der Großteil die Nichtraucherbereiche sehr zu schätzen, und das betrifft sogar Raucher.

Etwas anders sieht die Situation in den Nachtlokalen aus, denn dort lautet der Grundtenor der Wirte anders: Ein Rauchverbot würde einen Umsatzeinbruch bedeuten, da der Anteil an Rauchern so groß sei. Zudem ist die Barkultur für die meisten Nachtlokalbetreiber auch eng mit der Raucherkultur verbunden. „Wenn ich im Monat um € 3.000 Zigaretten verkaufe, zeigt mir das mehr als deutlich, dass unser Publikum zum Großteil aus Rauchern besteht“, so ein Lokalbesitzer. Dass in der Speisengastronomie nicht geraucht würde, begrüßen aber alle, sogar Raucher selbst.

Trotzdem: Nahezu jeder Gastronom wünscht sich eine einheitliche Lösung seitens des Gesetzgebers und nicht dieses „Wischi-Waschi Gesetz“, wie viele es bezeichnen. Denn die unterschiedlichen Lösungen anhand der Lokalgröße stuft ein Großteil der Wirte als wettbewerbsverzerrend ein. „Wenn ein Raucherpärchen kommt und die merken, dass man bei mir nicht rauchen darf, wechseln sie das Lokal“, so ein weiterer Lokalbetreiber, der auf Grund der Lokalgröße auf Nichtraucher umstellen musste. Einzelne Gastronomen gehen sogar so weit, ihre Räumlichkeiten zu verkleinern, um ein Raucherbetrieb bleiben zu können und keine Umsatzeinbrüche hinnehmen zu müssen.

Fazit

Während sich in der Speisengastronomie der Großteil der Wirte samt Gästen zufrieden über die Umsetzung des Gesetzes und die Nichtraucherräume zeigt, kann man sich in den Nachtlokalen nur schwer mit der Regelung anfreunden. Die meisten Nachtlokale fallen in die „50 m²-Regelung“, auch wenn man da vereinzelt alle Hühneraugen zudrücken muss. Aber wie heißt es so schön: Wo kein Personal, da kein Richter. Oder so ähnlich …

Autor/Bild: Mario Steidl

Die Rolle der Muttersprache

Verfasst von Bernhard Pfeffer | Tags: , , , , , , ,
Abgelegt unter stadt:bildung, stadt:gesellschaft, stadt:jugend | Kommentare Keine Kommentare

Immer wieder hören wir – auch in Saalfelden – Migranteneltern sollen mit den Kindern zuhause Deutsch sprechen. Aber ist das förderlich für die kindliche Entwicklung?

Bei uns herrscht die weit verbreitete Alltags-auffassung, dass das Erlernen der eigenen Muttersprache die Kinder daran hindern würde, Deutsch zu lernen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Die Bedeutung der Muttersprache geht weit über ihre Rolle als Mittel zur Kommunikation zwischen Menschen hinaus. Sie hat eine zentrale Bedeutung in der Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes und kann daher nicht einfach durch eine andere Sprache ersetzt werden.

Das Erlernen der Sprache der Familie macht es uns möglich, die uns umgebende Welt zu erfassen und zu verstehen. Sie befähigt uns, über das was wir sehen und erleben, zu sprechen, es zu beschreiben. Sie ist somit auch verantwortlich für die Entwicklung unseres Denkens. Vollkommen unverzichtbar ist sie zur Mitteilung von Gefühlen, eine Fertigkeit, die wir für unser Gleichgewicht und unser Wohlbefinden benötigen. Emotionale Vertrautheit und Intimität ist nur in der Muttersprache möglich.

Ein umfassender Wortschatz und komplexe Grammatikstrukturen in der Erstsprache sind zudem die notwendige Voraussetzung für das Erlernen einer Zweitsprache. Wer die eigene Muttersprache nur auf einem einfachen, nicht schriftlichen Niveau beherrscht oder gar nur im Dialekt, der überträgt diese schwache sprachliche Basis auch auf die Zweitsprache. Das führt dazu, dass Menschen überhaupt keine Sprache ausreichend nutzen können, um sich umfassend mitzuteilen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Die Muttersprache ist die nötige Basis für das Erlernen einer anderen Sprache

Die Muttersprache ist die nötige Basis für das Erlernen einer anderen Sprache

Die Sprache der Eltern verankert jeden Menschen auch in seiner Kultur. In der Sprache zeigen sich die kulturellen Fähigkeiten, Fertigkeiten, Wertvorstellungen und Lebensweisen. Nur, wenn ich in meiner ursprünglichen Kultur verankert bin, kann ich mit einer anderen Kultur in Austausch treten und mich integrieren.

Wir sind weit davon entfernt, dass auch andere Muttersprachen außer Deutsch Teil des Schulunterrichts sind. Umso wichtiger ist es, Eltern mit Migrationshintergrund immer wieder dahingehend zu ermutigen, mit ihren Kindern ihre Muttersprache zu pflegen, damit diese ihre Persönlichkeit entfalten können. Das ist eine Voraussetzung für ein interkulturelles Miteinander, das diese Bezeichnung auch verdient.

Autorin: Sabine Aschauer-Smolik
Quellen: http://t-ig.org, Kalpaka, Annitag – (Erst-)Sprache – Muttersprache – Zweisprachigkeit, http://www.migration-boell.de
Bild: Karl Rittberger

Die Steinalm – einst, jetzt und morgen

Verfasst von Mario Steidl | Tags: , , , , , , ,
Abgelegt unter stadt:gesellschaft | Kommentare Keine Kommentare

Das Stadtblatt hat in einem Lokalaugenschein mit Hüttenwirt Thomas Mayr und dem neuen Besitzer Manfred Hirschbichler gesprochen.

Die Steinalm

Landwirtschaftlich genutzt wird die Steinalm bereits seit mehreren Jahrhunderten, die erste urkundliche Erwähnung geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Bis 1964 im Besitz der Kirche, wurde sie damals von einer Agrargemeinschaft, bestehend aus elf Bauern und der Marktgemeinde Saalfelden, gekauft. Seit 2004 wird die Alm von Thomas Mayr und Monika Fürstaller aus Saalfelden bewirtschaftet. Die beiden fanden die Hütte in einem desolaten Zustand vor, sanierten das Almjuwel aber unter enormem persönlichen Einsatz. Einige Anlagenteile, wie zum Beispiel die Quellfassung, mussten einer Generalüberholung unterzogen werden. Auch innen wurde die Alm liebevoll gestaltet, vom Wirt selbst ein Kachelofen gesetzt, die Einrichtung neu und passend zur Hütte gestaltet. Eine eigene Photovoltaikanlage sorgt seither für Warmwasser und Strom. Die Materialkosten für den Umbau wurden von der Genossenschaft übernommen, die bis vor kurzem noch Eigentümerin der Alm war. Die Arbeitsstunden der Wirtsleute und einiger Mithelfer aus deren Freundeskreis könnte man als Liebhaberei bezeichnen.


Steinalmwirt Tom Mayr

Steinalmwirt Tom Mayr


Das Bild, das sich dem Besucher bietet, zeigt auf den ersten Blick, dass hier alles mit Liebe gestaltet wurde. Ein eigener Kräutergarten wurde angelegt, überall Blumen gepflanzt und zur Freude der Kinder laufen Ziegen, Hasen und Hühner innerhalb eines mittlerweile selten gewordenen Pinzgauer Zaunes herum. „Für mich war es wichtig, die Steinalm mit einem nachhaltigen Konzept auf zehn Jahre hin zu bewirtschaften und sie als natürlichen Erholungsraum zu erhalten.” Das heißt, dass ausschließlich hausgemachte Produkte mit Erzeugnissen aus der Region ihren Weg auf die Speisekarten finden. Mit selbst gebackenem Brot und verschiedensten Kuchen, Speck aus eigener Produktion und zahlreichen weiteren Erzeugnissen aus der eigenen Küche werden die Gäste verwöhnt. „Es ist gerade diese Einfachheit, die den Charme und die Seele der Steinalm ausmachen”, so der Wirt. Dazu gehört seiner Ansicht nach auch, dass die Steinalm als eine der letzten Almen nur zu Fuß erreichbar ist.

Woran viele natürlich nicht denken, ist der Umstand, dass es sich hier nicht einfach um ein Gasthaus handelt, dem alles geliefert wird. Jede Kleinigkeit muss mit der Seilbahn transportiert werden. Etwas zu vergessen gibt es nicht, denn man kann hier oben nicht am Supermarkt um die Ecke etwas nachkaufen. Und außergewöhnlich ist auch der Weg zur Arbeit. Denn ein täglich einstündiger Fußmarsch macht es nicht gerade leicht, Personal zu finden.

Thomas Mayr war auch der erste, der ein kulturelles Angebot auf der Steinalm schaffte. Von traditionellen Musikveranstaltungen bis hin zum Jazz bietet er den Besuchern im Sommer immer wieder einzelne Livedarbietungen von Musikern, Dauerbeschallung durch Radio oder CD hingegen wird man dort nicht finden.

Die Steinalm wurde vor kurzem von der Agrargemeinschaft an Manfred Hirschbichler verkauft. Wie sehen seine Pläne für die Steinalm aus? „Auch für mich ist die Steinalm ein kulturelles Kleinod, das unbedingt so erhalten bleiben muss, wie es ist”, so der Zimmerer aus Saalfelden. Gekauft habe er die Alm langfristig zwar für seine Tochter, die diese einmal bewirtschaften soll, vorerst ist es für ihn aber sinnvoll, wenn Thomas Mayr die Steinalm weiterführt, eventuell auch über seinen Vertrag, der noch über vier Jahre geht, hinaus. Langfristig denkt Hirschbichler auch daran, das kulturelle Angebot auf der Steinalm zu erweitern. Die zahlreichen Gerüchte, die sich um einen geplanten Forstweg auf die Steinalm ranken, kann und will Manfred Hischbichler nicht bestätigen. „Die österreichischen Bundesforste planen bereits seit längerem, ihren an die Alm angrenzenden Wald zu erschließen. Das steht allerdings noch alles in den Sternen und hat mit meinem Kauf der Steinalm nichts zu tun.”

Bilder: Mario Steidl

Achtung – Kleinmaschinen-Brigaden unterwegs!

Verfasst von Bernhard Pfeffer | Tags: , , , ,
Abgelegt unter stadt:gesellschaft | Kommentare Keine Kommentare

Seit einigen Jahren werden in Salzburger Gemeinden immer wieder Zettel verteilt, die die BürgerInnen auffordern an einem bestimmten Tag zwischen 11 Uhr und 17 Uhr alles, was nicht mehr gebraucht wird, vor die Türe zu stellen, vor allem aber Elektro- und Elektronikgeräte.

Der Bürgermeister ersucht dringend, keine Gegenstände bereitzustellen!

Es wird zwar grundsätzlich begrüßt, wenn Gegenstände und Geräte, die bei uns nicht mehr gebraucht werden, in anderen Ländern noch von Nutzen sind. So können und sollen Sammlungen von z.B. karitativen Organisationen unterstützt werden, die in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Sammlungen organisieren. Bei den Kleinmaschinen-Brigaden handelt es sich aber um Privatpersonen, die nur ihre persönlichen Interessen im Auge haben. Erfahrungen haben gezeigt, dass die beschriebenen Sammlungen im Regelfall negative Auswirkungen nach sich ziehen:

  • Es werden nur die besten Gegenstände herausgesucht, der Rest bleibt liegen.
  • Es werden unter Umständen Gartengeräte und Fahrräder mitgenommen, die gar nicht bereitgestellt waren.
  • Die gesammelten Gegenstände werden auf Parkplätzen nachsortiert. Nicht Brauchbares wird liegengelassen.

Die Sammler haben keine Genehmigungen, diese Tätigkeiten in Österreich durchzuführen. Häufig berufen sie sich auf eine Erlaubnis des Bürgermeisters, die sicher nicht vorliegt. Bitte lassen Sie sich von vermeintlichen Serviceangeboten einer Ab-Haus-Abholung nicht verleiten und bringen Sie ihre sperrigen Hausabfälle wie gewohnt zum Recyclinghof.

Gut erhaltene Gegenstände können Sie natürlich auch zum Flohmarkt der Freiwilligen Feuerwehr geben. Dieser findet heuer am 11. Juli 2010 statt. Sammelbeginn ist der 25. Juni 2010. Weitere Informationen folgen in einem Postwurf der Feuerwehr und in der nächsten Ausgabe des Stadtblattes.