Aktuellen Studien zufolge orientiert sich der Bildungsweg von Kindern sehr stark an der Ausbildung der Eltern. Ein Grund dafür ist das frühe Alter, in dem die Weichen gestellt werden müssen.
Österreichweit und darüber hinaus auch im restlichen deutschsprachigen Raum hat die Ausbildung der Eltern einen entscheidenden Einfluss auf den Bildungsweg der Kinder. In den vergangenen Jahren wurde in mehreren Studien für Österreich untersucht, welche Kriterien bei der Wahl des Schul- und Ausbildungsweges von Kindern entscheidend sind. Schaut man beispielsweise auf die Gruppe der heute 12-jährigen Kinder, so lässt sich feststellen, dass drei Viertel von jenen, deren Eltern einen Universitäts- oder vergleichbaren Abschluss haben, ein Gymnasium besuchen und nur etwas mehr als 20 Prozent von ihnen eine Hauptschule. Haben die Eltern hingegen einen Lehrabschluss, so besuchen deren Kinder zu drei Vierteln die Hauptschule (also im Verhältnis genau umgekehrt).
Schaut man auf die Gruppe der 16-Jährigen, so sind 80 Prozent jener, deren Eltern eine höhere Schule besucht haben, mit diesem Alter auch noch in einer Schulausbildung. Die Kinder der Eltern ohne weiterführende Schule befinden sich demgegenüber nur mehr zu 30 Prozent in schulischer Ausbildung.
Was sagen diese Zahlen? Sie sagen nichts über die Qualität der Schulbildung aus, nein. Sie zeigen uns aber deutlich, dass die Auswahl der Schule nicht vor dem Hintergrund des Könnens und der Fähigkeiten der Kinder erfolgt! Wie viele quälen sich bis zur Matura, durch die Schule getragen mit Hilfe eines nicht unerheblichen finanziellen Aufwandes der Eltern? Es ist vielmehr anzunehmen, dass viele unserer heutigen Kinder und Jugendlichen nicht in den für sie passenden Schulen sitzen, weder in den einen noch in den anderen!
Die Eltern und ihr (Aus-)Bildungsweg sowie ihre Erfahrungen mit Schule entscheiden zu einem großen Teil über den Weg, den die Kinder in Sachen Bildung und Ausbildung einschlagen. Verstärkt wird dies zusätzlich durch den Umstand, dass die Entscheidung darüber, welche die richtige Schullaufbahn ist, mit 10 Jahren zu einem sehr frühen Zeitpunkt fallen muss. Nicht alle Talente sind ausgebildet, manche groß erscheinenden Interessen verflachen im Verlauf der beginnenden Pubertät.
„Das gesamte Umfeld, die beruflichen Vorbilder, die die Kinder erleben und kennen lernen, haben ebenfalls einen großen Einfluss auf die Schulentscheidung. Wenn ich Berufe und Arbeitsfelder gar nicht kenne, kann ich sie auch nicht als Möglichkeiten für mich erkennen“, ergänzt Maria Neumayr von der Bildungsberatung Biber. „Viele staunen in der Beratung, wenn wir auf Berufsfelder zu sprechen kommen, die ihnen auch offen stehen würden.“
Will man die Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen optimaler gestalten, müssen die Entscheidungen zu einem späteren Zeitpunkt und auf Basis anderer und vielfältigerer Grundlagen erfolgen!
Autorin: Sabine Aschauer-Smolik
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