Mit ‘Bildungszentrum’ getaggte Artikel

Bildungschancen werden vererbt

Verfasst von Bernhard Pfeffer | Tags: , , , , , , , ,
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Aktuellen Studien zufolge orientiert sich der Bildungsweg von Kindern sehr stark an der Ausbildung der Eltern. Ein Grund dafür ist das frühe Alter, in dem die Weichen gestellt werden müssen.

Kinder von Eltern mit akademischem Abschluss besuchen zu 75 Prozent ein Gymnasium.

Kinder von Eltern mit akademischem Abschluss besuchen zu 75 Prozent ein Gymnasium.


Österreichweit und darüber hinaus auch im restlichen deutschsprachigen Raum hat die Ausbildung der Eltern einen entscheidenden Einfluss auf den Bildungsweg der Kinder. In den vergangenen Jahren wurde in mehreren Studien für Österreich untersucht, welche Kriterien bei der Wahl des Schul- und Ausbildungsweges von Kindern entscheidend sind. Schaut man beispielsweise auf die Gruppe der heute 12-jährigen Kinder, so lässt sich feststellen, dass drei Viertel von jenen, deren Eltern einen Universitäts- oder vergleichbaren Abschluss haben, ein Gymnasium besuchen und nur etwas mehr als 20 Prozent von ihnen eine Hauptschule. Haben die Eltern hingegen einen Lehrabschluss, so besuchen deren Kinder zu drei Vierteln die Hauptschule (also im Verhältnis genau umgekehrt).

Schaut man auf die Gruppe der 16-Jährigen, so sind 80 Prozent jener, deren Eltern eine höhere Schule besucht haben, mit diesem Alter auch noch in einer Schulausbildung. Die Kinder der Eltern ohne weiterführende Schule befinden sich demgegenüber nur mehr zu 30 Prozent in schulischer Ausbildung.

Was sagen diese Zahlen? Sie sagen nichts über die Qualität der Schulbildung aus, nein. Sie zeigen uns aber deutlich, dass die Auswahl der Schule nicht vor dem Hintergrund des Könnens und der Fähigkeiten der Kinder erfolgt! Wie viele quälen sich bis zur Matura, durch die Schule getragen mit Hilfe eines nicht unerheblichen finanziellen Aufwandes der Eltern? Es ist vielmehr anzunehmen, dass viele unserer heutigen Kinder und Jugendlichen nicht in den für sie passenden Schulen sitzen, weder in den einen noch in den anderen!

Die Eltern und ihr (Aus-)Bildungsweg sowie ihre Erfahrungen mit Schule entscheiden zu einem großen Teil über den Weg, den die Kinder in Sachen Bildung und Ausbildung einschlagen. Verstärkt wird dies zusätzlich durch den Umstand, dass die Entscheidung darüber, welche die richtige Schullaufbahn ist, mit 10 Jahren zu einem sehr frühen Zeitpunkt fallen muss. Nicht alle Talente sind ausgebildet, manche groß erscheinenden Interessen verflachen im Verlauf der beginnenden Pubertät.

„Das gesamte Umfeld, die beruflichen Vorbilder, die die Kinder erleben und kennen lernen, haben ebenfalls einen großen Einfluss auf die Schulentscheidung. Wenn ich Berufe und Arbeitsfelder gar nicht kenne, kann ich sie auch nicht als Möglichkeiten für mich erkennen“, ergänzt Maria Neumayr von der Bildungsberatung Biber. „Viele staunen in der Beratung, wenn wir auf Berufsfelder zu sprechen kommen, die ihnen auch offen stehen würden.“

Will man die Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen optimaler gestalten, müssen die Entscheidungen zu einem späteren Zeitpunkt und auf Basis anderer und vielfältigerer Grundlagen erfolgen!

Autorin: Sabine Aschauer-Smolik
Foto: fotolia.com

Die Rolle der Muttersprache

Verfasst von Bernhard Pfeffer | Tags: , , , , , , ,
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Immer wieder hören wir – auch in Saalfelden – Migranteneltern sollen mit den Kindern zuhause Deutsch sprechen. Aber ist das förderlich für die kindliche Entwicklung?

Bei uns herrscht die weit verbreitete Alltags-auffassung, dass das Erlernen der eigenen Muttersprache die Kinder daran hindern würde, Deutsch zu lernen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Die Bedeutung der Muttersprache geht weit über ihre Rolle als Mittel zur Kommunikation zwischen Menschen hinaus. Sie hat eine zentrale Bedeutung in der Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes und kann daher nicht einfach durch eine andere Sprache ersetzt werden.

Das Erlernen der Sprache der Familie macht es uns möglich, die uns umgebende Welt zu erfassen und zu verstehen. Sie befähigt uns, über das was wir sehen und erleben, zu sprechen, es zu beschreiben. Sie ist somit auch verantwortlich für die Entwicklung unseres Denkens. Vollkommen unverzichtbar ist sie zur Mitteilung von Gefühlen, eine Fertigkeit, die wir für unser Gleichgewicht und unser Wohlbefinden benötigen. Emotionale Vertrautheit und Intimität ist nur in der Muttersprache möglich.

Ein umfassender Wortschatz und komplexe Grammatikstrukturen in der Erstsprache sind zudem die notwendige Voraussetzung für das Erlernen einer Zweitsprache. Wer die eigene Muttersprache nur auf einem einfachen, nicht schriftlichen Niveau beherrscht oder gar nur im Dialekt, der überträgt diese schwache sprachliche Basis auch auf die Zweitsprache. Das führt dazu, dass Menschen überhaupt keine Sprache ausreichend nutzen können, um sich umfassend mitzuteilen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Die Muttersprache ist die nötige Basis für das Erlernen einer anderen Sprache

Die Muttersprache ist die nötige Basis für das Erlernen einer anderen Sprache

Die Sprache der Eltern verankert jeden Menschen auch in seiner Kultur. In der Sprache zeigen sich die kulturellen Fähigkeiten, Fertigkeiten, Wertvorstellungen und Lebensweisen. Nur, wenn ich in meiner ursprünglichen Kultur verankert bin, kann ich mit einer anderen Kultur in Austausch treten und mich integrieren.

Wir sind weit davon entfernt, dass auch andere Muttersprachen außer Deutsch Teil des Schulunterrichts sind. Umso wichtiger ist es, Eltern mit Migrationshintergrund immer wieder dahingehend zu ermutigen, mit ihren Kindern ihre Muttersprache zu pflegen, damit diese ihre Persönlichkeit entfalten können. Das ist eine Voraussetzung für ein interkulturelles Miteinander, das diese Bezeichnung auch verdient.

Autorin: Sabine Aschauer-Smolik
Quellen: http://t-ig.org, Kalpaka, Annitag – (Erst-)Sprache – Muttersprache – Zweisprachigkeit, http://www.migration-boell.de
Bild: Karl Rittberger