2011 ist das „Jahr der Freiwilligen“. Wir haben für Sie beleuchtet, ob die Bereitschaft für ehrenamtliche Tätigkeiten abnimmt, wie die Situation in Saalfelden aussieht und was die Wissenschaft zu diesem Thema sagt.
Sind wir eigensinniger geworden? Fauler? Warum interessieren sich die Jungen nicht mehr fürs Helfen? Vorurteile lassen sich schnell finden, wenn sich die Frage stellt, wie es um die Freiwilligkeit steht. Aber was ist dran an der Schwarzmalerei?
Freiwilligkeit als Kapital
Was Freiwilligkeit für die Gesellschaft bedeutet hat der US-amerikanische Sozialwissenschaftler Robert Putnam untersucht und dabei Folgendes in seinem Buch „Bowling alone“ (was frei übersetzt so viel bedeutet wie alleine auf der Kegelbahn zu stehen) veröffentlicht. Putnam behandelt den Niedergang der Freiwilligkeit in den USA und spricht in diesem Zusammenhang von „social capital“, also sozialem Kapital. Die Grundidee dahinter ist eine Verbindung zwischen Menschen, von der beide Seiten profitieren, vor allem, wenn man sich gegenseitig hilft. Freiwilligkeit schweißt uns also enger zusammen. Dieser Zusammenhalt scheint in den USA immer mehr verloren zu gehen, weil die Menschen sich isolieren und nicht mehr zusammen mit anderen Grillfeste organisieren oder in Vereinen mitarbeiten. Aber warum? Gründe sieht Putnam im Anstieg der Patchwork-Familien, wo scheinbar keine Zeit mehr für außerordentliche Arbeit bleibt. Auch der Medienkonsum nimmt mittlerweile einen beachtlichen Teil der Freizeit der Amerikaner ein. Zugegeben, die USA sind seit jeher ein Sonderfall, aber wie ergeht es uns Österreichern?
Die Zugpferde im Ort
In Saalfelden gibt es zahlreiche Zugpferde für die ehrenamtliche Tätigkeit. Eines davon, besonders für junge Menschen, ist die Landjugend Saalfelden. Seit beinahe 65 Jahren gibt es diese Gruppe, die sich aus jungen Menschen im Alter zwischen 14 und 35 Jahren zusammensetzt. Der Zusammenhalt innerhalb des Vereins wird durch gemeinsame Aktivitäten gefördert, aber auch die Arbeit nach außen nimmt einen großen Teil der gemeinsamen Zeit ein. Die Landjugend ist nicht nur an Feiertagen im Laufe des Jahres aktiv, sondern sammelt auch mit viel Engagement Spenden für bedürftige Mitmenschen. Derzeit hält der Verein bei knapp 60 Mitgliedern, die alle großen Einsatz zeigen und einen soliden Mitgliederstamm bilden.
Feuerwehrmann werden …
… will nicht nur ein kleiner Drache, sondern wollen auch viele junge Saalfeldner. Ortsfeuerwehrkommandant Ernst Schreder zeigt sich deshalb begeistert über die gute Jugendarbeit bei der Truppe. Ab 12 Jahren dürfen Mädchen und Jungs in die Freiwillige Feuerwehr eintreten und erhalten neben einer fundierten Ausbildung auch die Möglichkeit, bei allerlei Veranstaltungen mitzuwirken. Nach der Ausbildung in der Hauptwache kommen die jungen Feuerwehrleute dann zu ihren Löschzügen (Letting, Harham, Wiesersberg, Wiesing). Gründe für den regen Zustrom an Nachwuchs sieht Ernst Schreder zum einen im interessanten und abwechslungsreichen Alltag eines Feuerwehrmannes, aber auch in der Gemeinschaft innerhalb der Löschzüge. Vermittelt wird die „Message“ durch gute Öffentlichkeitsarbeit, sei es über Kooperationen mit Schulen oder dem alle zwei Jahre stattfindenden Kinderfest. Nicht umsonst besteht unsere Feuerwehr aus ca. 230 aktiven Helfern, die 45.000 bis 50.000 freiwillige Stunden bei Einsätzen, Übungen und Veranstaltungen zubringen.
Förderung der Schi-Jugend …
… ist die Aufgabe des Schiklubs Saalfelden, der nächstes Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert. Sportlich gesehen ist der Schiklub, immerhin einer der größten im Land, gut aufgestellt, an Nachwuchstalenten mangelt es also nicht. Auch die Betreuung der jungen Sportler funktioniert dank engagierter Eltern sehr gut. Dennoch ist nicht alles Gold was glänzt. Viele Eltern sind zwar mit vollem Einsatz dabei, gehen aber als Hilfe verloren, wenn ihre Kinder selbst nicht mehr aktiv sind oder in einen höheren Kader aufsteigen. So manche gute Zusammenarbeit wurde dadurch schon aufgelöst, wie Klaus Danzer, Obmann des Schiklubs, bedauert. Solang aber Kinder nachkommen, bekommt man immer wieder Eltern, die sich zur Mithilfe bereit erklären. Eine größere Herausforderung stellt die Abwicklung von Bewerben dar. Wenn man z.B. ein Slalomrennen ausrichtet, benötigt man nicht nur Personal für die Zeitnehmung und die Auswertung, sondern auch viele Torposten und jemanden, der im Ziel die Startnummern einsammelt. „Dort wird es zunehmend eng“, so Obmann Danzer. Seit Jahren gibt es einen beständigen Kern an Mitarbeitern. Seit Jahren fehlen aber auch junge Mitarbeiter, um die Routiniers einmal abzulösen.
Den Saalfeldnern …
… kann man ein gutes Zeugnis ausstellen, was freiwillige Mithilfe anbelangt. Zumindest ist es noch nicht so weit, wie manche vielleicht glauben wollen. Wie sich das Ganze entwickelt, bleibt abzuwarten. Bis dahin: Danke für die Mitarbeit und kommen sie gut nach Hause!
Autor/Bild: Florian Hörl



